Facebook III – Rechenzentrum in Europa

Veröffentlicht: 15. November 2011 in DIES, DAS & JENES
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Lulea in Nordschweden – ein herrlicher Ort. Nur 110 Kilometer sind es zum Nordpolarkreis. Und bei durchschnittlichen 1,3 Grad Celsius kommt man auch bei längeren Fußmärschen nicht ins Schwitzen. Für die wärmeren Tage – in der Spitze sind immerhin 15 Grad möglich – bieten die Ufer des Flusses Lule Älv, der hier in den Bottnischen Meerbusen mündet, dem Naturfreund manch idyllisches Plätzchen.
Dieses Paradies also haben sich die Umweltliebhaber von Facebook ausgesucht. Sie wollen in Lulea ein Rechenzentrum bauen, das erste in Europa. Drei Serverhallen auf knapp 30.000 Quadratmetern Fläche soll es haben und für 184 Millionen Nutzer des sozialen Onlinenetzwerks zuständig sein. Weil den Lule Älv nicht nur pittoreske Picknickplätze, sondern auch 14 Wasserkraftwerke zieren, lassen sich die vielen Rechner umweltschonend kühlen – sofern es bei den Temperaturen überhaupt vonnöten ist. 2014 soll er fertig sein, der Technik gewordene Traum jedes Umweltschützers.
Und der Albtraum eines jeden Datenschützers – wie sollte es im Fall von Facebook anders sein. Für Hüter digitaler Persönlichkeitsrechte nämlich ist Schweden seit ein paar Jahren der natürliche Feind. Dort trat 2009 ein Gesetz in Kraft, das es dem schwedischen Geheimdienst erlaubt, jeden Datenverkehr anzuzapfen, der die Landesgrenzen passiert – ohne richterlichen Beschluss. Dank dieser Norm, die nach der Geheimdienstabteilung Försvarets Radioanstalt FRA-Gesetz genannt wird, dürfen Telefonate abgehört sowie SMS und E-Mails mitgelesen werden. Das gilt auch für Nachrichten, die per Facebook versendet werden.
Sogar manche Kommunalregierungen Schwedens seien betroffen, warnt die Piratenpartei. Deren E-Mails würden bei ausländischen Unternehmen auf Spam überprüft – und beim Grenzübergang auf der Datenautobahn vom Geheimdienst gescannt.
Den Bürgermeister von Lulea, Karl Petersen, interessiert das alles wenig. Er hofft, dass auch andere Konzerne „die klimatischen Qualitäten und die Vorteile der Region“ erkennen und Facebook folgen. Das Unternehmen versichert auf der IT-Website The Register, man sehe keinerlei datenschutzrechtliche Probleme.
Die Konkurrenz dagegen schon: Selbst für Google, sonst nicht zimperlich mit seinen Daten, kommt es seit dem FRA-Gesetz nicht mehr infrage, in Schweden ein Rechenzentrum zu bauen. Und der skandinavische Telekommarktführer TeliaSonera verlegte seine Mailserver gar nach Finnland. Gut möglich also, dass Facebook allein bleibt in der grünen Datenhölle.
(Quelle: Financial Times Deutschland)
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