Archiv für 22. März 2012

Solo für einen Selbstdarsteller  – „Maischberger“-Kritik

AWD-Gründer und Wulff-Freund Carsten Maschmeyer will endlich geliebt werden. Bei Sandra Maischberger startete er eine Charmeoffensive. Doch der Mensch Maschmeyer ist fast noch unangenehmer als der Manager.

Nein, er hat nicht verraten, warum seine Bald-Ehefrau, die Schauspielerin Veronica Ferres, immer so spricht, als habe sie gerade in ein Brötchen gebissen. Aber er hat verraten, wann er ihr einen Heiratsantrag gemacht hat: am 11.11.11 – „sechsmal die Nummer 1“. Das ist kein Karnevalsscherz, sondern Romantik. Carsten Maschmeyer kennt sich mit Zahlen ebenso gut aus wie mit Gefühlen, soll das heißen.
Was ihn mit der Ferres neben der Liebe noch verbindet, ist eine fast paranoide Angst vor der Öffentlichkeit. Viele Berater und Anwälte sind damit beschäftigt, ein positives Image zu vermitteln und zu verteidigen. Maschmeyer bei Maischberger war selbstverständlich pure Promo: für sein Buch „Selfmade – erfolg reich leben“, mehr aber noch für sich selbst.
 
„Meine Mutter hat mich nie gelobt“

Maschmeyer, der Gründer des Finanzdienstleisters AWD, besitzt alles. Zig Millionen auf dem Konto, ein riesiges Anwesen auf Mallorca, eine glamouröse Freundin, beste Beziehungen in die Politik und Wirtschaft. Nur eines besitzt er nicht: die Liebe der Öffentlichkeit. Das muss ihn, den Selfmade-Karrieremann, den Perfektionisten und Kontrollfreak, furchtbar stören. Er kann jederzeit Gerhard Schröder, Christian Wulff und Klaus Meine anrufen, doch die Leitung zu den „99 Prozent“ ist gestört. Ob er denn Joachim Gauck per SMS gratuliert habe, fragte Sandra Maischberger spitz und spielte auf Maschmeyers Networking-Tipps in seinem Buch an. „Nein, ich habe seine Handynummer nicht“, antwortete der, „er lebt ja nicht in Hannover.“ Das war ironisch gemeint.
Der 52-Jährige gab in diesem Einpersonenstück, bei dem die anderen Gäste nur Statisten waren, wirklich alles, um sympathisch zu sein. Er gestand Fehler in der Wulff-Causa ein („Die Villa war rückwärts gesehen für beide Seiten keine gute Idee“) und im Umgang mit einer kritischen ARD-Dokumentation über AWD, deren Ausstrahlung er unbedingt verhindern wollte („Ich bin weggelaufen“). Er durfte sogar lang und breit seinen Aufstieg vom mittellosen Jungen ohne Vater („Meine Mutter hat mich nie gelobt“) zum erfolgreichen „Finanzarzt“ erzählen.
 
„Wer mir nützt, den möchte ich kennenlernen“

Doch die Rührung über sich selbst half nichts, auch nicht die Unterstützung des PR-Beraters Moritz Hunzinger, der von einer „Entdämonisierung des Dr. Maschmeyer“ sprach, die in der Sendung stattgefunden habe. So wie der Finanzjongleur nur durch eine großzügige Spende an die Universität Hildesheim zu seiner Doktorwürde kam, war seine Charmeoffensive bei Maischberger zu offensichtlich Strategie. Maschmeyer ist ein Parvenü, der überall mitmischen will, der immer auf Sendung ist und süchtig nach Anerkennung. So einer ist nie nur einfach so nett. Er sagte: „Wer mir nützt, den möchte ich kennenlernen.“ Zu dem ist er nett, dem schreibt er SMS und schickt ihm Blumen. Sein Buch handelt von nichts anderem.
Man hätte gestern gerne gesehen, wie der Ex-Schnauzbartträger stärker an seine Grenzen gerät. Beckmann hätte ihn an einem guten Tag zerlegt, Plasberg mit einem investigativen Einspieler zumindest zur Weißglut gebracht. Auch Sandra Maischberger hielt Maschmeyer durchaus immer wieder die tausendfachen Klagen von Anlegern vor, die wegen AWD ihr Vermögen verloren haben. Und der Multimillionär kam auch durchaus ins Trudeln, redete sich mit der „Hypothekenkrise“ heraus, dem eigentlichen Übel zu jener Zeit, einem mangelhaften „Beschwerdemanagment“ („Ich hatte als Vorstandsvorsitzender viel zu tun“) und flüchtete sich in Rechthabereien über die wahre Anzahl der falsch Beratenen. Doch davon, dass ein Teil des AWD-Imperiums – und damit sein heutiger Reichtum – schlichtweg auf Gier und Verantwortungslosigkeit beruht, wollte er nichts wissen.
 
„Für die Verlierer sind der Staat und die Kirchen zuständig“

Vom Rest der Runde drohte Maschmeyer leider auch keine Gefahr. Rudolf Dreßler, das kampferprobte SPD-Schlachtross, ist inzwischen einfach zu alt, um noch richtig zuzutreten. Wolfgang Grupp, der Chef von Trigema und „König von Burladingen“, ist selbst eine zu fragwürdige Unternehmerpersönlichkeit. Beate Wedekind wollte hauptsächlich von ihrem zweiten Leben in Äthopien erzählen. Und Moritz Hunzinger ist wie Maschmeyer einer der Strippenzieher im Netzwerk der oberen Zehntausend. Wie diese über die ganz unten denken, brachte Hunzinger immerhin auf eine interessante Formel: „Für die Verlierer sind der Staat und die Kirchen zuständig.“
 
(Quelle: www.ftd.de)
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„Zyzzyx Road“ (2006)

Der Independent-Thriller mit Katherine Heigl ist in die Kinogeschichte eingegangen als der Film mit dem geringsten Einspielergebnis aller Zeiten. Er lief sechs Tage lang in einem Kino in Dallas und spülte 30 Dollar in die dortige Kasse. Tatsächlich waren es aber nur 20 Dollar, weil zwei Filmcrewmitglieder eine Ermäßigung erhalten hatten.

„Pluto Nash – Im Kampf gegen die Mondmafia“ (2002)

Wenn ein Film 120 Mio. Dollar kostet und nur 7 Mio. Dollar einspielt, dann ist er mit einem Verlust von 113 Mio. Dollar in der Filmgeschichte eins der größten finanziellen Desaster aller Zeiten. Auch Eddie Murphy konnte das Script nicht retten, das aus den 80er-Jahren stammte und zigmal umgeschrieben wurde. Die zwei Jahre zwischen Verfilmung und Veröffentlichung machten die Geschichte auch nicht besser.

„Die Piratenbraut“ (1995)

Der Film mit Geena Davis und Matthew Modine kam bei 115 Mio. Dollar Produktionskosten auf ein Einspielergebnis von rund 10 Mio. Dollar. Die produzierende Filmfirma Carolco Pictures musste anschließend Insolvenz anmelden.

„Stadt, Land, Kuss“ (2001)

Ebenfalls zu den größten Verlierern an der Kinokasse zählt die romantische Komödie mit Warren Beatty (Foto rechts) und Diane Keaton, die im Original „Town & Country“ heißt. Die Produzenten mussten ein Minus von 100 Mio. Dollar verbuchen, weil sie an der Kinokasse nur 10 Mio. Dollar einnahmen.

„Liebe mit Risiko – Gigli“ (2003)

Jennifer Lopez und Ben Affleck, die damals auch im wahren Leben verbandelt waren, sollten diese Komödie zu einem Blockbuster machen. Rund 12 Mio. Dollar Gage erhielt jeder von beiden – der Film allerdings nach seinem Erscheinen nur die schlechtesten Kritiken. 2003 räumte er als erster Film der Geschichte alle sechs Topkategorien des Negativpreises „Goldene Himbeere“ ab. In englischen Kinos wurde „Gigli“ lediglich eine Woche lang gezeigt, weltweit spielte der Film nur wenig mehr als 7 Mio. Dollar ein.

Motherhood“ (2009)

Der Film von Hollywood-Schauspielerin Uma Thurman spielte zum Starttermin in England nur 88 Pfund ein. Elf Zuschauer sorgten für diesen katastrophalen Negativrekord. Dass das Eröffnungswochenende aber nicht immer etwas über den Gesamterfolg aussagt, zeigt der nächste Film.

„Sahara – Abenteuer in der Wüste“ (2005)

Der Abenteuerstreifen mit Matthew McConaughey und Penélope Cruz hat am ersten Wochenende in den USA 18 Mio. Dollar eingespielt – und landete prompt auf Platz eins der Kinocharts. Auf den guten Start folgte trotzdem ein finanzielles Desaster mit einem Gesamtverlust von rund 120 Mio. Dollar.

„John Carter“ (2012)

Das Mars-Abenteuer „John Carter“ wird für Disney richtig teuer. Der Film werde im laufenden Quartal voraussichtlich einen operativen Verlust von 200 Mio. Dollar bringen, kündigte das Unternehmen an. Der Film soll rund 250 Mio. Dollar gekostet haben – plus weitere rund 100 Mio. Dollar, die für Werbung ausgegeben wurden. Trotzdem ließ der Film mit Taylor Kitsch die Kinogänger kalt. Am Startwochenende spielte der Film nur etwa 30 Mio. Dollar ein.