Als hätte es Cordoba nie gegeben

Veröffentlicht: 21. Mai 2012 in SPORTwelt
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Wenige Kilometer südwestlich von Oberstdorf, deutschen Sportfans durch die Vierschanzentournee bekannt, ragt ein kleines Fleckerl Österreich wie eine Landzunge nach Deutschland hinein. Dort, in rund 1200 Metern Höhe, kicken die Amateure des SV Kleinwalsertal. Von ihrer Heimat isoliert durch die Allgäuer Alpen, führt keine Straßenverbindung nach Süden. Also schlossen sich die Österreicher einst dem Bayrischen Fußballverband an. Eine Geschichte deutsch-österreichischer Nachbarschaft.

„Eine einfache Fahrt nach Vorarlberg, ins nächstgelegene Österreich, dauert 1,5 Stunden“, erklärt Flori Felder, Abteilungsleiter des 1400 Mitglieder starken Vereins. 1899 wurde ein Zollanschlussvertrag mit Deutschland geschlossen, die Ortschaften Mittelberg, Riezlern und Hirschegg haben sowohl eine deutsche, als auch eine österreichische Postleitzahl. Deshalb habe man damals beim BFV „mal angefragt“. Mit Erfolg: Der Kleinwalser Fußballklub besteht nun schon seit über 50 Jahren, aktuell steht die erste Mannschaft auf Platz zwei der B-Klasse Allgäu 6. Das Thema Aufstieg ist noch nicht abgehakt.

„Heuer isses scho a bisserl extrem“

Allzu oft sind die Kleinwalser Spieler auf ihrem Platz aber nicht anzutreffen. Besonders in diesem Winter verhinderte der Schnee jegliches Ballspiel. „Heuer isses scho‘ a bisserl extrem,“ erklärt der Abteilungsleiter. „Im Herbst geht es meist bis Ende November, und ab Anfang Mai können wir normalerweise wieder zuhause spielen.“ Geht das nicht, fahren die Kicker zum Spielen und Trainieren ins Ausland.

Deutsch-österreichische Nachbarschaftshilfe

Mit dem 28 Kilometer entfernten FC Sonthofen haben sie eine Kooperation abgeschlossen. „Der große Macher beim FC Sonthofen ist ein Kleinwalsertaler“, sagt Felder und schmunzelt: „Das sorgt natürlich für sehr gute Beziehungen.“ Der FC besitzt einen feinen Kunstrasenplatz, den der kleine österreichische Nachbar nutzen darf. Und reicht es bei einem Sonthofener Nachwuchsspieler mal nicht für die Herrenmannschaft, dürfen sie ihr Glück nochmal beim SV versuchen. „Auf der anderen Seite ist es immer noch möglich, dass die Spieler dort aushelfen, wenn sie gebraucht werden“, ergänzt Felder. Nachbarschaftshilfe, sozusagen.

Zu den Spielen in Sonthofen kämen natürlich weniger Fans mit, klagt er. Bei Punktspielen zuhause sei das anders, dann seien es immerhin 50 bis 60 Zuschauer. Wobei, ein Mal waren es sogar mehr als 200. „Das war, als Markus Eberle, unser Skifahrer, verabschiedet wurde“, erzählt Felder nicht ohne Stolz. Der Slalom-Weltmeister ist in Riezlern, einer der drei Ortschaften des Kleinwalsertals, geboren. „Da hat er mit einem österreichischen Ski-Team gegen eine Ehemaligen-Auswahl des VfB Stuttgart gespielt.“

Größere Rivalität unter den bayrischen Orten

Das Verhältnis zu den deutschen Nachbarn ist vorbildlich. Klar wird da schon mal gefrotzelt, „aber das ist alles scherzhaft“, versichert Felder. „Wir haben ja sehr viel Bezug zu Deutschland. Man sieht uns nicht direkt als Österreicher an. Die Rivalität unter den bayrischen Nachbarorten ist bestimmt größer als die gegen uns.“ Als hätte es Cordoba nie gegeben.

„Wir sind Österreicher, keine Frage!“

Doch die Kleinwalsertaler sind immer noch Kinder ihres Heimatlandes. „Wir sind Österreicher, keine Frage. Das ist schon klar“, stellt Felder fest. Doch so ganz uneingeschränkt auch wieder nicht. „Mich interessiert die deutsche Bundesliga mehr als die österreichische und wir lesen zuhause eine deutsche Tageszeitung. Wir sind schon ein etwas zwielichtiges Tal“, lacht er.

 (Quelle: www.fussball.de)
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