Rettungstore helfen Griechenland ins EM-Finale

Veröffentlicht: 8. Juni 2012 in AKTUELLES / NEUES
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Man stelle sich vor, bei der Fußball-EM ginge es so absurd zu wie in dem Drama um die Rettung des Euro. Am Ende würden die Tore der Deutschen und Holländer in einen Pool zur Griechenrettung fließen.
Freitag, 8. Juni: Eröffnungsspiel. In der Gruppe A trifft Polen auf Griechenland. Die Griechen dachten: Schaffen wir mit links, das geht auch ohne Training. Sie verlieren 0:3. Der griechische Nationaltrainer insistiert: „Ich habe nur ein Tor gesehen.“

Samstag, 9. Juni: In der Gruppe B besiegen die Niederlande Dänemark mit 4:0. Deutschland gelingt ein 5:0 gegen Portugal. Aus der Fifa dringt der Vorschlag an die Öffentlichkeit, man könne doch einen Teil der Tore, die die starken Mannschaften geschossen haben, in der Turnierstatistik einfach Griechenland zuschlagen. Die Uefa verbittet sich die Einmischung des Weltverbands in innereuropäische Angelegenheiten.

Sonntag, 10. Juni: Griechenlands Sponsoren werden nervös. Der griechische Nationaltrainer sagt: „Ich will kein einziges Tor von den Deutschen.“

Griechenland gerät in Schieflage

Montag, 11. Juni: Gegen die Tschechen verlieren die Griechen ebenfalls mit 0:3. Eine große Debatte entbrennt. Die Griechen hatten sich eigentlich eh nicht für die Euro 2012 qualifiziert, sich aber mit dem Argument ins Turnier gezwängt, ihr Land sei doch die Wiege des Fußballs. Jetzt wird klar: Wenn die Griechen nicht bald besser werden, wird ein solcher Schmu den Sponsoren beim nächsten Mal nicht mehr zu verkaufen sein.

Dienstag, 12. Juni: Die Uefa beschließt: Griechenland darf bis auf weiteres mit zwölf Spielern antreten. Außerdem bekommen die Griechen qua Uefa-Beschluss drei Tore gutgeschrieben, eines von Deutschland – schließlich haben die Deutschen bisher am meisten geschossen -, zwei von den übrigen Teilnehmern zusammengenommen. Wird nicht wieder vorkommen, sagt Jogi Löw, das ist eine einmalige Angelegenheit. Außerdem sei das Tor ja nur geliehen, das bekomme man zurück. Und obendrauf noch ein paar Eckbälle. Bestimmt.
Mittwoch, 13. Juni: Überraschend verliert Portugal auch sein zweites Gruppenspiel – 1:2 gegen Dänemark. Nun ist das vorzeitige Ausscheiden kaum noch zu verhindern. Ronaldo droht, sich umoperieren zu lassen. Panik bei den Sponsoren. Die Uefa bildet einen Pool von Rettungstoren: Vorübergehend sollen sich notleidende Nationaltrainer daraus bedienen, wenn sie im Gegenzug versprechen, doller trainieren zu lassen. Deutschland und Holland spielen daraufhin am Abend aus Protest 0:0.

Rettungstore werden dauerhaft errichtet

Donnerstag, 14. Juni: Griechische Zeitungen zeigen den wohlgefönten Strenesse-Liebhaber Jogi Löw mit Vokuhila und in Ballonseide. Die Uefa beschließt, die Rettungstore zur dauerhaften Einrichtung zu machen. Nur so sei das Vertrauen der Sponsoren zurückzugewinnen. Jogi Löw sagt, das sei alternativlos. Das Deutsche Sportgericht erklärt: Man wende das Reglement ja schon bei Fortuna Düsseldorf nicht an, da könne man ja wohl nicht jetzt, mitten in der EM-Krise, anfangen, pingelig zu sein.

Freitag, 15. Juni: Ein früherer zweiter Hilfstorwarttrainer veröffentlicht ein neues Buch, Startauflage fünf Millionen Exemplare, Titel: „Europa braucht den Fußball nicht.“ Jogi Löw knurrt: „Nicht hilfreich“. Jürgen Trittin kreischt „Abseits!“ und fordert alle guten Fußballfans auf, das Buch auch nicht zu lesen.

Samstag, 16. Juni: Der Druck auf Deutschland und Holland wird immer größer. Künftig sollen sämtliche Tore von vornherein in einen Europool fließen, aus dem sie dann nach Bedürftigkeit verteilt werden. Mario Gomez und Klaas-Jan Huntelaar gründen die Protestbewegung „Occupy Strafraum“, die irgendwie dagegen ist. Abends verliert Griechenland gegen Russland auch sein letztes Gruppenspiel. Wie immer mit 0:3.

Ein Trainigsplan für alle Mannschaften

Sonntag, 17. Juni: Jogi Löw und sein niederländischer Kollege wollen eine Gegenleistung für den Europool. Sie setzen durch, dass es künftig eine Trainingsunion geben wird: Alle Nationalmannschaften bekommen von Löw ihren Trainingsplan diktiert, der strikte Freudlosigkeit vorschreibt und mit „Löw IV“ überschrieben ist. England droht damit, die Uefa zu verlassen: Der High-frequency-Handel mit Doppelpässen müsse ein Monopol von Wayne Rooney bleiben.

Montag, 18. Juni: Der griechische Coach stellt ein Ultimatum: Wenn wir nicht sofort einen Platz im Viertelfinale bekommen, lassen wir die Mannschaft darüber abstimmen, ob wir die geliehenen Tore zurückgeben oder nicht.

Dienstag, 19. Juni: Spaniens Nationalspieler haben sich vor Wochen mit Mumps infiziert und sind nur mit Ach und Krach durch die Vorrunde gekommen. Nun verlangen sie, für das Viertelfinale gegen Frankreich am 24. Juni schon einmal eine vorbeugende Torlinie in Höhe von zwei Treffen gutgeschrieben zu bekommen: „Sonst stecken wir alle an. Alle!“

Mittwoch, 20. Juni: Sponsoren kündigen vor dem Viertelfinale gegen Schweden ihre Verträge mit Italien auf. Sie fürchten, dass Deutsche und Holländer gar nicht so viel Tore schießen können, wie Italien bekommen müsste, nachdem die halbe Mannschaft wegen Korruptionsverdachts inhaftiert wurde.

Krisengipfel zur Rettung des Fußballs

Donnerstag, 21. Juni: Im ersten Viertelfinale besiegt Deutschland Co-Gastgeber Polen mit 1:0. Auf einem eilig einberufenen Krisengipfel beschließt die Uefa im Namen von Gerechtigkeit und paneuropäischer Solidarität, dass bis auf Weiteres jedes Team mit so vielen Spielern und Bällen antreten darf, wie es möchte.

Freitag, 22. Juni: Viertelfinale zwischen Holland und Griechenland, das per Dekret zum Zweiten der Gruppe A ernannt worden ist. Im Stadion stehen so viele Menschen auf dem Platz wie sonst nur in der Esprit-Arena zu Düsseldorf. Griechenland obsiegt mit 81:57.

Samstag, 23. Juni: Italiens Kicker erklären vor dem Viertelfinale gegen England, dass man zwar Rettungstore entgegennehmen werde, aber Trainingsauflagen nicht akzeptieren könne. Nach 90 Minuten steht es 3:0 für England. Italien bekommt vier Rettungstore zugeteilt und zieht ins Halbfinale ein.

Sonntag, 24. Juni: Im Viertelfinale zwischen Frankreich und Spanien stimmen die Teams vor dem Spiel darüber ab, wer im Turnier bleiben darf. Die ersten drei Abstimmungen gehen unentschieden aus. Franzosen und Spanier beschließen daraufhin, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben und im Halbfinale gemeinsam antreten werden.

Europäische Fußballregierung ohne England

Montag, 25. Juni: Die Uefa verwirft den deutsch-holländischen Vorschlag, eine Trainingsunion zu gründen. Stattdessen wird eine europäische Fußballregierung ins Leben gerufen. England ist dafür, will aber selbst nicht mitmachen, sondern sich fortan ganz dem Rugby widmen.

Dienstag, 26. Juni: Die neue europäische Fußballregierung beschließt, dass Deutschland sich durch Askese und gute Jugendarbeit einen Wettbewerbsvorteil erschlichen habe. Den deutschen Kickern wird auferlegt, nun erst einmal einen kräftigen Schluck aus der Pulle zu nehmen.

Mittwoch, 27. Juni: Im ersten Halbfinale trifft Deutschland auf Italien. In der 92. Minute gibt es einen Elfmeter für Italien, nachdem Bastian Schweinsteiger dem Schiedsrichter vor die Füße gekotzt hat. Manuel Neuer sieht den heranfliegenden Ball doppelt und greift nach dem falschen. Italien steht im Finale.

EM-Abstimmung aller Zuschauer

Donnerstag, 28. Juni: Im Halbfinale zwischen Griechenland und Frankreich/Spanien setzen sich die Spieler im Schneidersitz in den Mittelkreis. Nach 90 Minuten wird entschieden: Griechenland hat gewonnen, wird dafür aber Frankreich/Spanien bei der nächsten WM den Vortritt lassen.

Freitag, 29. Juni: Die Uefa fasst den Beschluss, die Fernsehzuschauer über die Europameisterschaft abstimmen zu lassen.

Sonntag, 1. Juli: Finale zwischen Griechenland und Deutschland. Deutschland bekommt „pas de goal“. Europameister wird eine Boygroup aus Schweden.

(Quelle: www.welt.de, Verf. Olaf Gersemann)

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