Archiv für 26. März 2013

Oh nein!

Veröffentlicht: 26. März 2013 in Die eine oder andere erlebte Bar-SHORTSTORY von mir
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An diesem Abend war geschlossene Gesellschaft. Für die Bar wurde ein dreiköpfiges Team gebildet. Es war die Feier für eine 18jährige Arzttochter.

Es fing nicht einmal normal an…die Gäste begrüßten sich alle mit Bussi´s auf die Wange…zumindest wie man es halt antäuscht. Hauptsächlich wurden Kir Royal´s auf Eis bestellt…auch wenn es sich hier nicht wirklich um Kir Royal´s handelte! Der feine Unterschied ist zwischen Prosecco und Champagner! Ein Unterschied wie Mailand und Madrid. Und diese Betonung bei der Bestellung „..auf Eis„…furchtbar. Als müsste es jeder wissen. So ziemlich jeder Gast ein Einkaufs-Plastiktäschchen abgestellt. Joop, Hugo, Jil Sander, CK,…naja. Es entstand das Bild, die Leute hätten es die Geschenke soeben erst auf dem Weg gekauft und man müsse sich zudem mit den Aufschriften übertrumpfen.

Der ganze Abend war ein einzigartiges Schauspiel…das war wirklich wie in einem überdrehten Film. Als eine Freundin der Tochter dann ein paar ältere Bilder des Geburtstagskindes präsentierte, da schien förmlich der Schleim zu sprühen…“wie hübsch sie doch aussieht…“. Zumindest wir hinter der Bar hatten eine Auszeit und gleichzeitig eine Menge Spaß dabei. Wer jetzt tatsächlich reich war oder nur so tat…das war schwer zu unterscheiden. Es gab kaum jemand der an diesem Abend normal war. Was uns anging, wir haben ganze Arbeit geleistet. Zum Schluß kam der Herr Doktor Papa und hielt ganz protzig einen 50,-€-Schein in der Hand, den er abwertend und mit einem saublöden Gesichtsausdruck übergab. Ich glaube, dass er diesen Schein ab liebsten behalten hätte…das tat ihm bestimmt weh. Aber gut…50,-€ geteilt durch 3 Leute…an jedem Abend hatte man nahezu mehr als das Doppelte an Trinkgeld bekommen. Aber das war uns egal…wir hatten es geschafft und waren um eine etwas andere Lebenserfahrung reicher!

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Es war in der Mini-Bar. Ich stand mit meinem Kollegen hinter der Bar und wir unterhielten uns über klassische Cocktails. Ich sagte ihm vorab, dass ich keine Cocktails nachRezept mixe, wenn der klassische Name dafür auf der Karte steht. Und schon kam eine Bestellung von 2 Mädels….zwei Mai Tai bitte. Ich schaute ihn nur an und er wußte sofort was er zu tun hatte. Als er fertig war sprachen wir weiter und ich erklärte ihm so einiges über den Mai Tai nach Trader Vic.

Dieses Gespräch bekam ein Gast aus München mit, der am Tresen sein Bier trank, und er fragte mich, ob ich ihm so einen Cocktail zubereiten könne. Ihm wäre nach etwas besonderen, nachdem er den ganzen Tag uf der Messe tätig war. Ich sagte ihm dieses zu, gab ihm allerdings zu verstehen, dass der Mai Tai nicht so ein großes Cocktailglas füllt wie bei meinem Kollegen, sondern lediglich die Hälfte eines Tumblers. Während er sich im Hotel nur schnell umziehen wollte bereitete ich einiges vor.

Als er wieder am Tresen saß, bekam er einen richtig leckeren Mai Tai serviert, von dem er sehr begeistert war und nur meinte: „So etwas habe ich noch nie getrunken“ und strahlte über beide Ohren wie ein Kind, das ein neues Spielzeug in der Hand hält. Das hat ihn buchstäblich vom Hocker gehauen. Später wollte er noch einen Longdrink, wobei ich ihm einen Cuba Libre empfahl (er kannte keinen Cuba Libre!). Auch hier war er ganz begeistert. Ein Cuba LIbre ist keine Herausforderung, allerdings sollte man auch hier vernünfte Mengenverhältnisse kennen und auf frischen Limettensaft zurückgreifen. Es entwickelte sich noch ein nettes Gespräch mit ihm und er meinte, er schaue nächstes Jahr wieder vorbei. Ein außerordentlich zufriedener und begeisterter Gast, das hatte etwas besonderes.