Mit ‘1992’ getaggte Beiträge

Vor 20 Jahren habe ich in der A-Jugend beim TSV Fortuna Sachsenross Hannover gespielt. Das Ziel in die damalige Bezirksoberliga aufzusteigen haben viele, gute Mannschaften verfehlt. 1992 ist uns der Aufstieg in die damals dritthöchste Jugendliga tatsächlich gelungen…obwohl es noch vor dem Saisonstart Probleme gab und der Trainer gegangen ist.

Das letzte Spiel zum Aufstieg gegen Stern Misburg: Endergebnis 8:2

https://i2.wp.com/file1.npage.de/007711/12/bilder/fortunasachsenross.jpg

Im darauffolgenden Jahr haben wir die Klasse sogar halten können, nachdem es in der Hinrunde kaum danach aussah. In der Rückrunde wurde eine erstaunliche Serie hingelegt und Mannschaften wie Hannover 96 (Meister, 4:2), TV Stuhr (Vizemeister, 8:1) und der ewige Derbyrivale HSC (6:0) eindrucksvoll besiegt. Gegen TV Stuhr gelang mir mein einziger Treffer in der Bezirksoberliga.

Advertisements

…gewann Hannover 96 als Zweitligist überraschend den DFB-Pokal!

Für die Pokalsensation haben sich die Hannoveraner ein aus Vereinssicht perfektes Datum „ausgesucht“. Das Endspiel in Berlin fand am 23. Mai 1992 statt – an einem 23. Mai hatten die Niedersachsen 38 Jahre zuvor ihren letzten großen Titel geholt – ebenfalls als Außenseiter. Mit einem fulminanten 5:1 über den hohen Favoriten 1. FC Kaiserslautern, aus dessen Reihen wenige Wochen später fünf Spieler durch das „Wunder von Bern“ Weltmeister wurden, gewann Hannover 96 sensationell die deutsche Meisterschaft.

Auf dem Weg zum überraschenden Pokalgewinn 1992 räumt der Underdog aus der niedersächsischen Landeshauptstadt fünf Bundesligisten aus dem Weg. Das erste prominente Opfer ist nach dem leichten Aufgalopp bei Marathon Berlin in Runde zwei der VfL Bochum. Bei den Westfalen setzt sich das Team von Trainer Michael Lorkowski mit 3:2 durch. Ein erstes Ausrufezeichen, getoppt nur noch durch den Lokalrivalen TSV Havelse, der als Drittligist in der gleichen Runde den Bundesligisten 1. FC Nürnberg nach Elfmeterschießen aus dem Rennen wirft.

Sensation im Westfalenstadion

Doch während Havelse in der dritten Runde sang- und klanglos in Bamberg ausscheidet, startet Hannover 96 richtig durch. Auch Borussia Dortmund scheitert im eigenen Stadion mit 2:3 an dem Pokalschreck aus der Zweiten Liga. Der Bundesliga-Tabellenführer liegt zur Halbzeit mit 2:0 vorne, doch Patrick Grün, André Breitenreiter und Jörg-Uwe Klütz drehen die Partie. 96 ist in der Saison die einzige Mannschaft, die im Westfalenstadion gewinnen kann. Im Achtelfinale hat Hannover erstmals Heimrecht, Liga-Konkurrent Bayer Uerdingen wird durch ein Grün-Tor mit 1:0 bezwungen. Mit dem gleichen Ergebnis schicken die „Roten“ einen Monat später den Erstligisten Karlsruher SC nach Hause. Mathias Kuhlmey erzielt das Tor des Abends.

Das große Los zieht Hannover im Halbfinale. Zu Gast im Niedersachsen-Stadion ist der Titelverteidiger (und spätere Europapokalgewinner) Werder Bremen. 0:0 steht es vor 57.000 Zuschauern nach 90 Minuten. Fünf Minuten sind in der Verlängerung gespielt, als die 96-Fans erstmals jubeln dürfen: Michael Koch schießt Hannover in Front. Doch die Freude währt nur kurz, Rune Bratseth gleicht zwei Minuten später für den Favoriten aus. Es geht ins Elfmeterschießen. Zum Held des Abends wird 96-Keeper Jörg Sievers. Erst verwandelt er zum 5:4, dann hält er gegen Bremens Marco Bode – Hannover steht im Finale von Berlin. „Im Grunde war es nach meinem verwandelten Elfer ganz einfach für mich“, erinnert sich Sievers später: „Ich musste ja nur noch halten – Marco hat dann auch nicht sehr platziert geschossen.“

Sievers pariert, Schjönberg vollendet

Michael Schjönberg (r.) verwandelt den entscheidenden Elfmeter im Pokalfinale 1992. © imago sportfotodienst

Im Endspiel gegen Borussia Mönchengladbach muss wieder ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen: 0:0 steht es nach 120 Minuten, 2:2 nach den ersten beiden Schützen. Dann tritt Karlheinz Pflipsen an – Sievers hält. Der vermeintliche Vorteil ist aber wieder vergeben, als auch Hannovers Oliver Freund am Gladbacher Keeper Uwe Kamps scheitert. Doch Teufelskerl Sievers hält auch den nächsten Elfmeter – Holger Fach ist der Unglücksrabe auf Seiten des Bundesligisten. 3:3 steht es schließlich, als Michael Schjönberg als letzter der ersten fünf Schützen antritt. Der Däne bleibt cool und versenkt den Ball in der linken Ecke – 20.37 Uhr zeigt die Stadionuhr im Berliner Olympiastadion, mit Hannover 96 gewinnt erstmals ein Zweitligist den DFB-Pokal.

Die Spieler von Hannover 96 feiern den Sieg im DFB-Pokal. © imago sportfotodienst

50.000 Fans bereiten einen begeisternden Empfang

Die Rückfahrt gerät zum Triumphzug: „Auf der Fahrt von Berlin nach Hannover war eine Wahnsinnsstimmung in der Mannschaft. Ich habe denen ja immer unterstellt, dass sie nicht feiern können – aber das stimmte absolut nicht“, erklärt Lorkowski. Auch Elfmeterheld Sievers erinnert sich gerne an die bewegenden Tage zurück: „Geträumt hat davon jeder, ob man daran geglaubt hat, ist etwas anderes. Aber man war doch wirklich mehr als froh, dass man das miterleben durfte.“ 50.000 Fans empfangen am Tag nach dem Finale in Hannover die Mannschaft und feiern ihre Pokalhelden. Die sportliche Belohnung für Hannover im Europapokal der Pokalsieger fällt enttäuschend aus: In Runde eins wartet mit Werder Bremen kein internationaler Gegner, sondern ein nur 120 Kilometer entfernter Bundesligist.

Fans von Hannover 96 feiern den Gewinn des DFB-Pokals 1992. © imago sportfotodienst

Quelle: www.ndr.de

copyright der Bilder: imago sportfotodienst

-> 2010/11: 4. Platz, die beste Saisonplazierung in der Bundesliga für unsere „Roten“

-> 2010 / Saisonabschluss gegen den Abstieg, Spiel in Bochum

-> Die Paraden von Robert Enke

-> Relegationsspiel 97/98 gegen TeBe Berlin / Aufstieg in die 2. Liga ….unvergessen!

-> Das bis dato leider letzte Punktspiel-Derby gegen Eintracht BS (um Platz 1 in der Regionalliga, Saison 1997/98)

-> DFB-Pokalsieg´92

-> Deutscher Meister ist 1954 …überraschend Hannover 96!!!

3 Titel, 3 Wunder:

In der Saison 1937/38 wurde Hannover 96 zum ersten Mal Deutscher Fußballmeister. Die Mannschaft erreichte das Endspiel durch ein 3:2 nach Verlängerung im Halbfinale in Dresden gegen den Hamburger SV. Das Finale wurde am 26. Juni 1938 in Berlin ausgetragen. Gegner war die in den 1930er Jahren dominierende Mannschaft des FC Schalke 04, die als hoher Favorit galt. Vor mehr als 90.000 Zuschauern lautete das Ergebnis 3:3 nach Verlängerung. In der Wiederholung des Endspiels, am 3. Juli 1938 erneut in Berlin vor diesmal über 94.000 Zuschauern ausgetragen, stand es nach der regulären Spielzeit erneut 3:3. Hannover 96 gelang in der Verlängerung der Siegtreffer zum 4:3 n.V. und damit eine kaum für möglich gehaltene Sensation: Hannover 96 war deutscher Fußballmeister 1938.

1953/54 gelang ihm mit einer namenlosen Elf, in der kein einziger Nationalspieler der späteren Weltmeistermannschaft aus Deutschland stand, nach einem Startrekord mit 22:0 Punkten in der Oberliga Nord der Gewinn der Norddeutschen Meisterschaft und der Einzug in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. 96 schaffte in der Endrunde gegen den Berliner SV 92 und den VfB Stuttgart den Einzug ins Endspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Das Finale wurde im Hamburger Volksparkstadion vor 80.000 Zuschauern ausgetragen. Kaiserslautern war klarer Favorit, da die Mannschaft viele Nationalspieler aufwies, die später in Bern zudem noch überraschend Fußball-Weltmeister 1954 werden sollten. In Hamburg gab es am 23. Mai 1954 ebenfalls ein Wunder – der Außenseiter Hannover 96 besiegte Kaiserslautern nach einem 1:1 zur Halbzeit mit 5:1 und wurde zum zweiten Mal deutscher Fußballmeister.

Von 1989 bis 1996 gehörte Hannover 96 der zweiten Liga an. 1992 gelang es dem Verein unter Trainer Michael Lorkowski als erstem Zweitligisten, den DFB-Pokal zu gewinnen. Die Mannschaft, die in dieser Saison in der Staffel Nord der zweiten Bundesliga nur im oberen Mittelfeld spielte, besiegte mit dem VfL Bochum, Borussia Dortmund, dem Karlsruher SC, Werde Bremen sowie im Finale Borussia Mönchengladbach dabei gleich fünf Bundesligisten. In Dortmund lag 96 zur Halbzeit bereits 2:0 zurück und drehte das Spiel zu einem 2:3 Auswärtssieg. Torwart Jörg Sievers avancierte zum Pokal-Helden, indem er sowohl im Halbfinale gegen Bremen (7:6 n.E.) als auch im Finale (4:3 n.E.) mehrere Elfmeter parieren konnte. Im Halbfinale hatte er den entscheidenden Elfmeter für Hannover zudem selbst sicher verwandelt. Beim Halbfinalsieg war ich dabei…unglaublich!!!

Nach dem Gewinn des DFB-Pokals durfte Hannover 96 1992/93 als Zweitligist im Europapokal der Pokalsieger starten. Als eine der größten Ironien der Vereinsgeschichte gilt das Los in der ersten Runde des Wettbewerbs: Statt einer internationalen Mannschaft wurde ausgerechnet der Europacup-Sieger des Vorjahres, Werder Bremen, zugelost – in einem Wettbewerb, in dem abgesehen vom Titelverteidiger nur eine Mannschaft pro Land startete. Nach einem 1:3 in Bremen reichte es im Rückspiel in Hannover nur zu einem 2:1-Sieg, so dass die Mannschaft den Einzug in die zweite Runde verpasste.

Zudem gab es noch 3 weitere Wunder:

1984/85: Aufstieg mit einem jungen Team aus vielen hannoverschen Talenten:

Erst unter Trainer Werner Biskup gelang in der Saison 1984/85 der Wiederaufstieg in die erste Liga mit einer jungen Mannschaft. 1983 waren Martin Giesel und Bastian Hellberg von Arminia Hannover geholt worden. Aus Schalke waren die erfahreneren Werner Lorant und Bernd Thiele geholt worden. Dierßen war allerdings nach Schalke abgegeben worden. 1984 kamen von Arminia Hannover noch Michael Gue und Maximilian Heidenreich und aus den USA Franz Gerber, während Lorant bereits nach einem Jahr wieder Hannover verließ. Stammspieler wurde auch der von den eigenen Amateuren aufgerückte Matthias Kuhlmey. Da Hannover einen Mini-Etat besaß und als Abstiegskandidat Nr.1 gehandelt wurde, gilt dieser Aufstieg mit vielen hannoverschen Spielern als nicht vergessenes Wunder bei den Fans.

1973: Das Wunder von Wuppertal – Die Entscheidung gegen den ewigen Rivalen:

Schlechte Ausgangsposition
Die Stimmung bei den Anhängern von Hannover 96 war am 26. Mai 1973 auf einem Tiefpunkt. Die Roten hatten gerade bei Erzrivale Eintracht Braunschweig mit 2:3 verloren und war dadruch stark abstiegsbedroht. Mit dem Sieg im Derby am 32. Spieltag hatte sich die Eintracht einen Drei-Punkte-Vorsprung auf Hannover 96 und Platz 17 der Bundesligatabelle verschafft. 1973 galt noch die Zwei-Punkte-Regel, zudem stiegen nur zwei Mannschaften ab. Daher schien zwei Spieltage vor Saisonende der Abstieg für Hannover 96 so gut wie sicher.

Entscheidung am letzten Spieltag
Nach dem 33. Spieltag sah die Ausgangsposition schon etwas besser aus. Das Team von Trainer Hannes Baldauf gewann mit 2:0 gegen Hertha BSC. Zeitgleich unterlag Braunschweig mit 0:3 beim 1. FC Kaiserslautern. Auch der FC Schalke war noch abstiegsgefährdet. Rot-Weiß Oberhausen dagegen stand bereits als Absteiger fest. So ging Hannover 96 mit 24 Punkten als Vorletzter in den letzten Spieltag am 9. Juni 1973. Ein Punkt fehlte auf den Rivalen aus Braunschweig, auch Schalke war mit zwei Punkten Vorsprung noch in Reichweite.

In den Medien wurde 96 dennoch bereits als Absteiger gehandelt. Kaum jemand traute dieser Mannschaft noch einen Sieg beim heimstarken Wuppertaler SV zu. Kaum einer der treuen Fans wagte zu hoffen, dass Braunschweig sein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf verlieren würde. Die personellen Voraussetzungen vor der Partie in Wuppertal waren auch nicht gerade rosig. Neben den verletzten Stammkräften Pauly, Mrosko und Rühmkorb fiel auch Verteidiger  „Eddy“ Bandura kurzfristig aus. Auf Grund dieses Pessimismus begleiteten nur knapp 1.000 96-Fans das Team nach Wuppertal.

Ständiger Kontakt nach Braunschweig
Während der Partie im traditionsreichen Stadion am Zoo in Wuppertal stand die Trainerbank von 96 im ständigen Kontakt mit dem Geschehen in Braunschweig. Die Reservisten der Roten hatten das Transistorradio am Ohr, den Blick allerdings auf das Spielfeld gerichtet. Trainer Hannes Baldauf und Manager Kleemann wollten wissen, ob sich die eigenen Anstrengungen noch lohnten.

Um 15.33 Uhr sendete 96 dann das erste Lebenszeichen nach Braunschweig. 96-Verteidiger Rainer Stiller erzielte schon in der 3. Minute die 1:0-Führung für Hannover. Die Spannung stieg, als der Düsseldorfer Gerd Zewe um 15.48 Uhr die Fortuna in Braunschweig ebenfalls mit 0:1 in Führung brachte. Die Freude hierüber hielt jedoch nur kurz. Fünf Minuten später markierte Ludwig Bründl den 1:1-Ausgleich für die Eintracht. 96 ließ sich aber nicht beirren und erfüllte seine eigene Aufgabe. Hans Siemensmeyer setzt einen Freistoß unhaltbar zum 0:2-Pausenstand ins Wuppertaler Tor. Da das Torverhältnis von Hannover 96 deutlich besser war als das der Braunschweiger, brauchte die Eintracht unbedingt einen Sieg.

Braunschweig wie gelähmt
„Es gab damals noch keine Anzeigetafel, aber wir Spieler haben das Ergebnis von Hannover 96 von unserer Bank erfahren. Wir wussten also immer, wie es steht. Wir hätten ja unser Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf nur gewinnen müssen, um in der Bundesliga drin zu bleiben. Aber wir waren wie gelähmt und katastrophal schwach. Jeder wusste, dass es schief geht“, erinnert sich Braunschweig-Akteur Bernd Gersdorff.

Das 96-Team mobilisierte nach der Pause die letzten Kräfte. Als Willi Reimann um 16.54 Uhr mit dem 0:3 die Weichen endgültig auf den 96-Auswärtssieg stellte, war die Abstiegsgefahr bereits gebannt. Denn eine Viertelstunde zuvor hatte Klaus Budde für Fortuna Düsseldorf das 1:2 in Braunschweig erzielt.

In letzter Sekunde gerettet
Hannover 96 holte am Ende durch das zweite Tor von Willi Reimann den zweiten Auswärtssieg der Saison und gewann mit 0:4. Durch die gleichzeitige Heimniederlage der Braunschweiger retteten sich die Roten damit zum dritten Mal in letzter Sekunde vor dem Abstieg. Schalke 04 gewann sein Heimspiel souverän mit 2:0 gegen den Hamburger SV und war damit ebenfalls gerettet.

Fix und fertig lagen sich 96-Verantwortliche und Mannschaft nach dem Schlußpfiff von Schiedsrichter Quindeau vor 25.000 Zuschauern (mehr als 10.000 davon aus Hannover!!) in Wuppertal freudentrunken in den Armen. Präsident Ferdinand Bock jubelte: „Jetzt können wir mit den ausgefertigten Regionalliga-Verträgen ein Freudenfeuer anzünden.“

1998: Wiederaufstieg gegen TeBe Berlin:

Während bei 96 die Kassen zwischenzeitlich leer waren, hieß der Gegner TeBe Berlin. TeBe hatte mit 10,-Mio DM einen Etat, der locker im oberen Zweitligadrittel lag. Zudem hatte TeBe seit über einem Jahr kein Spiel mehr verloren. Und dann kam das Wunder, nachdem man das Hinspiel in Berlin 0:2 verloren hatte.

96 zurück in der zweiten Liga! Um 22.57 Uhr war das kleine Wunder perfekt – und Jörg Sievers wieder einmal der Held. Dank des überragenden Torhüters gewann 96 das zweite Aufstiegsspiel gegen Tennis Borussia Berlin mit 5:1 nach Elfmeterschießen. Nach 120 Minuten hatte es 2:0 für Hannover gestanden, Rückstand aus der ersten Partie ausgeglichen.                  50 000 waren aus dem Häuschen. Das Spiel begann mit einer Überraschung. In letzter Minute hatte 96-Trainer Reinhold Fanz seine Aufstellung geändert. Volkan Arslan und Jürgen Degen blieben draußen, Bastian Reinhardt und der zuletzt aus dem Kader verbannte Hakan Bicici durften von Beginn an mitmachen. 96 nach dem 0:2 in Berlin am Boden, aber es brodelte im Niedersachsen-Stadion. „Steht auf, wenn Ihr Rote seid“, sangen die Fans. Fast schien es so, als sollten sie erneut enttäuscht werden. Denn die Hauptstädter tauchten schon in den ersten Minuten zweimal gefährlich vor Hannovers Schlußmann Jörg Sievers auf. Dann aber flog der erste Ball in Richtung TB-Tor – die Berliner Mauer (nur sieben Gegentore in 34 Regionalliga-Spielen) fiel dank des Flugkopfballtreffers von Gerald Asamoah (7. Minute). Die so wichtige frühe Führung war da. Dann kam Hektik ins Spiel. Hannovers Dieter Hecking und Berlins Dejan Raickovic rangelten um den Ball. Der Ex-96er Raickovic wurde immer wieder ausgepfiffen, weil er bei Freistößen das Spiel verzögerte. Und Gästestürmer Ilija Aracic wollte einen Platzverweis für 96 provozieren. Er fiel, obwohl ihn Torwart Sievers gar nicht berührt hatte – aber der Schiedsrichter nicht darauf hinein. Jürgen Aust zeigte sowohl Aracic als auch dem fuchsteufelswilden Sievers die gelbe Karte (37.). Es brodelte weiter, dann war Zeit, die Gemüter abzukühlen. Nach der Halbzeitpause wurde Tennis Borussia offensiver. Allerdings agierte das Team wesentlich passiver als beim Hinspiel im Mommsenstadion – war’s die Nervosität nach dem schnellen Rückstand? Mehr als einmal konnten die Berliner den Torschützen Asamoah nur mit brutalen Fouls stoppen. Ein zweiter Treffer mußte her, damit’s zumindest in die Verlängerung gehen konnte. Die Zuschauer verlangten nach „Milo, Milovanovic“. Hannovers Toptorjäger (22 Saisontreffer) war im Gegensatz zum Hinspiel dabei – wenn auch nur auf der Reservebank. Der sensible Serbe kam nach einer Stunde für Bicici ins Spiel. Fortan geriet TB noch mehr unter Druck. Und 96-Coach Fanz riskierte alles, brachte Offensivmann Babacar N’Diaye für Manndecker Bernd Eigner. Dieser Mut wurde belohnt. Es traf, mit einem wunderschönen Fallrückzieher – natürlich Milovanovic. Ein Fußballmärchen. Die Stimmung kochte über. Zusammengerechnet stand’s nun 2:2 – Verlängerung.

Zur Erinnerung: TB hatte in der gesamten Drittliga-Saison nie zwei Gegentreffer in einem Spiel kassiert. Trainer Hermann Gerland, genannt „Tiger“, fauchte am Spielfeldrand. Es passierte nicht mehr viel. Abgesehen von einem offenbar nicht regulärem Tor der Berliner und der Tatsache, daß 96 in Unterzahl weiterspielen mußte (Damian Brezina verletzt, schon dreimal ausgewechselt). Also Elfmeterschießen. Da trafen alle hannoverschen Schützen nervenstark ins Netz, drei Berliner versagten. Dann ging die Aufstiegsparty richtig los. Es gab Ehrenrunden ohne Ende, und die Fans sangen dazu: „Oooooooh, wie ist das schön“.

(Ich hatte seit Ewigkeiten eine Karte für das Spiel. Da ich aber die Niederlage in Berlin bereits live gesehen hatte, war meine Hoffnung gegen diesen vermeintlich überlegenen Gegner gering. Auch wenn Hannover in den 2 letzten Spielzeiten stets mehr als 100 Saisontore erzielte, Berlin war der klare Favorit. Zum Glück habe ich mich doch noch kurzfristig umentschieden und bin ins Stadion gepilgert…zum Glück!) 

1996–2002: Der Neuaufbau

Dem Abstieg in die Regionalliga folgte ein personeller Aderlass. Am Anfang der Saison 1996/97 waren vom alten Kader lediglich Torwart Jörg Sievers, Libero Carsten Linke und Kreso Kovacec übrig. Doch der Neuaufbau gelang: Reinhold Fanz als Trainer und Franz Gerber als Manager stellten eine junge Mannschaft zusammen. 1997 wurde Hannover 96 überlegen Regionalligameister. Zur Mannschaft gehörten u.a. Otto Addo, Vladan Milovanovic, Fabian Ernst, Kreso Kovacec und Dieter Hecking. Hannover scheiterte jedoch in der Relegation an Energie Cottbus, in einem denkwürdigem Spiel, als das Flutlicht des Stadions ausfiel und Cottbuser Fans Otto Addo und Gerald Asamoah bespuckten und mit Bananen bewarfen.

Im Verlauf der zweiten Regionalligasaison 1997/98 kam es zu einer offenen Rebellion gegen die „Kahlschlagpolitik“ des Vereinspräsidenten Utz Claassen, an dem sich auch die Mannschaft und verschiedene Mitarbeiter und andere Funktionsträger des Vereins beteiligten. Die Mannschaft rief unter anderem den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder zu Hilfe, um den Verein vor seinem eigenen Präsidenten zu schützen. Im weiteren Verlauf der Turbulenzen kam es zu Masseneintritten aus der Fanszene mit dem einzigen Zweck, Claassen auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung abzuwählen. Dieser versuchte erfolglos, die neuen Mitglieder für nicht stimmberechtigt zu erklären und wich einer Abstimmung anschließend durch plötzlichen Rücktritt aus. Zu Claassens Nachfolger wurde der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind gewählt, der die Strukturen des Vereins grundlegend professionalisierte und viel eigenes Geld investierte.

1998 stieg 96 als erneuter Regionalligameister unter Trainer Reinhold Fanz wieder in die zweite Liga auf, die Rückkehr in den Profifußball war geschafft. Zahlreiche junge Spieler, die knapp zehn Jahre später in der Bundesliga und der deutschen (Gerald Asamoah, Fabian Ernst, Sebastian Kehl u. a.) bzw. ghanaischen Nationalmannschaft (Otto Addo) spielten, waren beteiligt. Der spätere 96-Trainer Dieter Hecking gehörte ebenfalls zur Aufstiegsmannschaft. Langjährig treue Spieler und Idole der 90er Jahre waren vor allem Torwart Jörg Sievers und Abwehrspieler Carsten Linke. „Colt“ Sievers ist heute Torwarttrainer des Vereins.

Der direkte Durchmarsch in die Bundesliga wurde 1999 mit dem 4. Platz knapp verfehlt. Auch in der Saison 2000 (Platz 10) und 2001 (Platz 9) hatte 96 lange Kontakt zu den Aufstiegsrängen, fiel aber jeweils im Verlauf der Rückserie zurück.

2002-2004: Wiederaufstieg und zwei Jahre Abstiegskampf

2004-2009: Etablierung im Bundesliga-Mittelfeld

Seit 2009: Nach Tiefpunkten zum Höhenflug

Die Saison 2009/10 begann mit einem kleinen Fehlstart, nur einem Punkt in zwei Spielen und dem blamablen DFB-Pokal-Aus gegen den Viertligisten Eintracht Trier. Dem Fehlstart folgte der Rücktritt von Trainer Hecking, dessen Entlassung von Fans und Umfeld schon seit einigen Monaten gefordert worden war. Sein Nachfolger Andreas Bergmann lieferte zunächst eine positive Bilanz ab: Unter ihm holte die Mannschaft 15 Punkte aus den folgenden zehn Spielen und stand im Mittelfeld der Tabelle. Nach der Selbsttötung von Nationaltorwart Robert Enke am 10. November 2009 erzielte die Mannschaft in den folgenden sechs Spielen nur einen Punkt und geriet erstmals seit 2004 wieder in Abstiegsgefahr. Trainer Bergmann wurde nach einer 0:3-Heimniederlage gegen den Tabellenletzten Hertha BSC am ersten Spieltag der Rückrunde beurlaubt und wenige Stunden später durch Mirko Slomka ersetzt. Unter Slomka verlor 96 zunächst sechs weitere Bundesligaspiele, ehe die für den Verein beispiellose Negativserie mit nur einem Punkt aus nunmehr zwölf Spielen am 6. März 2010 mit einem 2:1-Sieg beim SC Freiburg endete. In der Folge fing 96 sich wieder und holte in den letzten zehn Spieltagen der Saison 16 Punkte, so dass der Klassenerhalt am letzten Spieltag gesichert werden konnte. Am Ende der Saison 2009/10 stand 96 mit 33 Punkten auf Platz 15.

Die Prägung der Saison durch den Tod Robert Enkes spiegelt sich am Ende in den erreichten Punkten überdeutlich wieder: 16 Punkte aus den ersten zwölf Spielen mit Enke, nur ein Punkt aus den folgenden zwölf Spielen nach seinem Tod und aus den letzten zehn Spielen wiederum 16 Punkte. Neben der Anstellung von Sportpsychologen hatte sich auch eine Solidaritätskampagne von Verein und verschiedenen Institutionen um Unterstützung für die verunsicherte Mannschaft bemüht.

Mit einem 4:2 gegen Meisterschaftskandidat Schalke 04 am 30. Spieltag, einem 6:1 im letzten Heimspiel gegen Mönchengladbach und einem 3:0 am letzten Spieltag beim direkten Abstiegskonkurrenten VfL Bochum, für das die 96-Fans trotz einer Kartenverkaufssperre für Gästefans über 40 Prozent der Tickets erwerben konnten und fast durchweg in rot gekleidet in Bochum erschienen waren, war 96 schließlich doch noch die sportliche Rettung gelungen.

Nach schwachen Testspielergebnissen und dem Pokalaus im Elfmeterschießen gegen den Viertligisten Sportvereinigung 07 Elversberg galt Hannover 96                                                             zu Beginn der Saison 2010/2011 in den Medien als Abstiegskandidat Nummer eins. Sowohl der Trainer Mirko Slomka als auch der Sportdirektor Jörg Schmadtke standen unter Druck. Tatsächlich aber präsentierte sich Hannover 96 sehr erfolgreich. 96 überholte am dreizehnten Spieltag mit dem siebten Sieg der Saison gegen den Hamburger SV den früheren sportlichen Rivalen Eintracht Braunschweig in der ewigen Bundesligatabelle und kletterte zwei Spieltage später einen weiteren Platz in dieser Tabelle. Am 16. Spieltag stellte Hannover 96 mit einem 2:1-Sieg über den VfB Stuttgart den Vereinsrekord von fünf Bundesligasiegen in Folge aus der Saison 2004/05 ein. Am 17. Dezember 2010 verlängerte Hannovers Topstürmer Didier Ya Konan seinen bis 2012 laufenden Vertrag vorzeitig um weitere 2 Jahre. Zum Ende der Hinrunde stand 96 auf Tabellenplatz vier. In der Vereinshistorie war dies die beste Hinrunde seit Gründung der Fußball-Bundesliga.

Freundschaften & Rivalitäten

Es besteht eine langjährige Fanfreundschaft mit dem Hamburger SV, diese wird inzwischen (2010) von großen Teilen der Fanszene beider Vereine getragen. Dies wird weithin als eine der intensivsten Fanfreundschaften im deutschen Fußball wahrgenommen. Freundschaftliche Verbindungen bestehen weiterhin zu Teilen der Fanszene von Arminia Bielefeld und Odense BK aus Dänemark. Bei spielen zwischen Hamburg und Hannover hallt es aus beiden Fanblöcken abwechselnd und doch gemeinsam singend „HSV“ durch das Stadion…Gänsehautstimmung garantiert!!

Als Erzrivale seit der Gründung der Bundesliga 1963 galt lange Zeit Eintracht Braunschweig. Die Rivalität gründet sich auf die sportliche Situation der 1960er und 1970er Jahre, als beide Vereine in der ersten oder zweiten Liga spielten; sie flammte 1996 bis 1998 noch einmal auf, als Hannover 96 zu Braunschweig in die Drittklassigkeit abgestiegen war. Seit zwischen den Vereinen meist ein Zwei-Klassen-Abstand besteht (seit 2002 ist Hannover wieder erstklassig und Braunschweig in der Regel drittklassig), wird sie vor allem von Braunschweiger Seite gepflegt. Gelegentlich kommt es aber auch in Hannover noch zu rivalitätstypischen Schmähungen der Braunschweiger.

An die Stelle des sportlichen Regionalrivalen ist Werder Bremen als geographisch nächstgelegenster und gleichzeitig von 96-Fans ernst genommener Bundesligaverein getreten. Die Rivalität wird dadurch verstärkt, dass Werder Bremen auch für den mit 96 befreundeten Hamburger SV Erzrivale ist. Der VfL Wolfsburg, eigentlich der geographisch nächstgelegene Bundesligaverein, wird von den meisten 96-Fans aufgrund der geringen Tradition und des kleinen und einseitig auf dem VW-Konzern aufbauenden Umfelds als nicht rivalitätsfähig angesehen und eher ignoriert.

Eine weit verbreitete Antipathie herrscht seit 1997 gegenüber Energie Cottbus. Sie geht auf rassistische Übergriffe gegen Spieler von Hannover 96 und eine später eingestandene Flutlichtmanipulation durch die Cottbusser in der Aufstiegsrelegation zur 2. Bundesliga 1997 zurück.