Mit ‘dies das jenes’ getaggte Beiträge

Er ist noch nicht im Amt, steht aber schon vor der ersten Herausforderung: Gauck lobte einst den Integrationskritiker Thilo Sarrazin für dessen Mut. Das nimmt ihm die türkische Gemeinde übel. Deshalb soll Gauck nun seine Haltung zur Integration erklären.

Noch vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten gerät Joachim Gauck unter Druck, seine Haltung zur Integration zu klären. Gauck hatte dem Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin Mut für sein umstrittenes Buch über Zuwanderer bescheinigt. „Damit hat er bei vielen Deutschtürken einen wunden Nerv getroffen. Ich finde es äußerst wichtig, dass Gauck diese Verstimmung in nächster Zeit ausräumt“, sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, der FTD.
 
Nach Euphorie jetzt Kritik
 
Beim Thema Integration sind die Erwartungen an das designierte Staatsoberhaupt besonders hoch. Hier war Gaucks Vorgänger Christian Wulff der einzige Erfolg seiner Amtszeit gelungen. Der Satz „Der Islam gehört inzwischen zu Deutschland“ verschaffte ihm anhaltende Sympathie bei Muslimen. Zudem hatte Wulff nach dem Bekanntwerden der Neonazi-Mordserie an Zuwanderern eine zentrale Gedenkfeier angeregt. Diese findet am Donnerstag in Berlin statt. Hauptrednerin ist statt Wulff Kanzlerin Angela Merkel (CDU).
 
Nach der Begeisterung über Gaucks Kandidatur regt sich nun bei einigen Themen Kritik an dem früheren Pfarrer – vor allem im linken Lager. So nehmen ihm Kapitalismuskritiker übel, dass er die Anti-Banken-Proteste der Occupy-Bewegung einst als „unsäglich albern“ abgetan hatte.
Auch Grünen-Chef Cem Özdemir erwartet von Gauck ein Signal. „Er wird zum Thema Integration bestimmt bald eigene Akzente setzen. Er ist jemand, der zusammenführen kann“, sagte er der FTD. Gauck sei wahrlich kein Unterstützer der Thesen von Thilo Sarrazin. „Sonst hätten wir ihn nicht vorgeschlagen.“ Das gehe auch aus dem fraglichen Interview hervor. Darin hatte Gauck kritisiert, Sarrazin wolle „mit einem einzigen biologischen Schlüssel alles erklären“.
 
Aussage zum Islam gefragt
 
Laut Özdemir könne niemand erwarten, dass Gauck den Parteien, die ihn unterstützt haben, immer nach dem Mund rede. „Auch wir nicht. Ganz im Gegenteil, er ist ein unabhängiger Kopf, das zeichnet ihn aus.“ Der integrationspolitische Sprecher der Bundestagsgrünen, Memet Kilic, kündigte an, Gauck nicht zu wählen.
Kolat drängte den 72-Jährigen auch zu einer Aussage zum Islam: „Gauck ist ein religiöser Mann. Es wäre schön, wenn er ähnliche Worte für den Islam findet wie Wulff.“ Beim Beitrittsgesuch der Türkei zur EU würden sich die Deutschtürken ebenfalls ein Signal wünschen. „Doch das ist wohl unwahrscheinlich.“
 
(Quelle: www.ftd.de)

Facebook III – Rechenzentrum in Europa

Veröffentlicht: 15. November 2011 in DIES, DAS & JENES
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Vielleicht für „gmail“-Kontoinhaber besonders interessant:

Lulea in Nordschweden – ein herrlicher Ort. Nur 110 Kilometer sind es zum Nordpolarkreis. Und bei durchschnittlichen 1,3 Grad Celsius kommt man auch bei längeren Fußmärschen nicht ins Schwitzen. Für die wärmeren Tage – in der Spitze sind immerhin 15 Grad möglich – bieten die Ufer des Flusses Lule Älv, der hier in den Bottnischen Meerbusen mündet, dem Naturfreund manch idyllisches Plätzchen.
Dieses Paradies also haben sich die Umweltliebhaber von Facebook ausgesucht. Sie wollen in Lulea ein Rechenzentrum bauen, das erste in Europa. Drei Serverhallen auf knapp 30.000 Quadratmetern Fläche soll es haben und für 184 Millionen Nutzer des sozialen Onlinenetzwerks zuständig sein. Weil den Lule Älv nicht nur pittoreske Picknickplätze, sondern auch 14 Wasserkraftwerke zieren, lassen sich die vielen Rechner umweltschonend kühlen – sofern es bei den Temperaturen überhaupt vonnöten ist. 2014 soll er fertig sein, der Technik gewordene Traum jedes Umweltschützers.
Und der Albtraum eines jeden Datenschützers – wie sollte es im Fall von Facebook anders sein. Für Hüter digitaler Persönlichkeitsrechte nämlich ist Schweden seit ein paar Jahren der natürliche Feind. Dort trat 2009 ein Gesetz in Kraft, das es dem schwedischen Geheimdienst erlaubt, jeden Datenverkehr anzuzapfen, der die Landesgrenzen passiert – ohne richterlichen Beschluss. Dank dieser Norm, die nach der Geheimdienstabteilung Försvarets Radioanstalt FRA-Gesetz genannt wird, dürfen Telefonate abgehört sowie SMS und E-Mails mitgelesen werden. Das gilt auch für Nachrichten, die per Facebook versendet werden.
Sogar manche Kommunalregierungen Schwedens seien betroffen, warnt die Piratenpartei. Deren E-Mails würden bei ausländischen Unternehmen auf Spam überprüft – und beim Grenzübergang auf der Datenautobahn vom Geheimdienst gescannt.
Den Bürgermeister von Lulea, Karl Petersen, interessiert das alles wenig. Er hofft, dass auch andere Konzerne „die klimatischen Qualitäten und die Vorteile der Region“ erkennen und Facebook folgen. Das Unternehmen versichert auf der IT-Website The Register, man sehe keinerlei datenschutzrechtliche Probleme.
Die Konkurrenz dagegen schon: Selbst für Google, sonst nicht zimperlich mit seinen Daten, kommt es seit dem FRA-Gesetz nicht mehr infrage, in Schweden ein Rechenzentrum zu bauen. Und der skandinavische Telekommarktführer TeliaSonera verlegte seine Mailserver gar nach Finnland. Gut möglich also, dass Facebook allein bleibt in der grünen Datenhölle.
(Quelle: Financial Times Deutschland)

Facebook II – Die Datenkrake

Veröffentlicht: 15. November 2011 in DIES, DAS & JENES
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Gibt der Datenkrake endlich auf? Es klingt zumindest erst einmal so: Facebook hat sich mit der amerikanischen Wettbewerbsbehörde FTC auf eine Reihe von neuen Datenschutzregeln geeinigt.

Künftig sollen die rund 800 Millionen Nutzer stärker gefragt werden, wenn ihre Daten anderen zugänglich gemacht werden. Die Zeiten, in denen der Datenausbeuter mit den Fotos, Kommentaren und sensiblen Informationen sorglos umgeht, wären vorbei.
 Allein, das ist zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich hat sich an der Einstellung Facebooks zur Privatsphäre seiner Kunden nichts geändert: Wenn sie schon die soziale Plattform kostenlos nutzen wollen, dann sollen sie sich auch nicht über die Verwertung ihrer Daten beschweren. Daran ändert auch die Einigung mit der FTC nichts. Der Konzern willigt ja nicht etwa deshalb ein, weil er auf seine Kritiker reagiert. Sondern vielmehr, weil er sich für den Börsengang im nächsten Jahr rüsten dürfte.
Es stimmt natürlich: Zunächst ist jeder selbst dafür verantwortlich, wie viel Daten er in dem globalen Netzwerk hinterlegt. Dabei nun auf einen Gesinnungswandel von Facebook zu vertrauen wäre angesichts der zahlreichen Skandale und Beschwerden der letzten Jahre ausgesprochen naiv und grob fahrlässig.
Nur die Nutzer in die Pflicht zu nehmen ist aber zu wenig. Zur Konkurrenz zu wechseln ist auch einfacher gesagt als getan – das Netzwerk ist der Marktführer. Da brauchen die Kunden die Politik an ihrer Seite. Die versuchte, das Datenschutzproblem im Dialog zu lösen, zuletzt bei einer Anhörung im Bundestag. Doch das bewirkt offensichtlich nichts. Facebook fühlt sich als US-Unternehmen nicht den Regeln in Deutschland verpflichtet.
Mit gutem Zureden und Appellen aber kommt man bei Facebook nicht weiter. Datenschützer wie Gesetzgeber sollten mit ihren Drohungen Ernst machen und zu schärferen Waffen greifen.
(Quelle: Financíal Times Deutschland)

Facebook I – Neues zum Datenschutz

Veröffentlicht: 15. November 2011 in DIES, DAS & JENES
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Seit zwei Jahren untersucht die US-amerikanische Wettbewerbsbehörde Facebooks Umgang mit Nutzerdaten. Nun ist eine Einigung in Sicht: Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat das Unternehmen der Behörde einen Kompromiss angeboten. Demnach müsste Facebook seine mittlerweile 800 Millionen Nutzer künftig bei „entscheidenden nachträglichen Änderungen“, die deren Privatsphäre betreffen, vorab um Einwilligung bitten.
Trotzdem schränkt das Abkommen Facebooks Optionen für künftige Angebote ein. Das Unternehmen lebt davon, möglichst viele Daten seiner Nutzer zu sammeln, um auf deren Basis personalisierte Werbung zu vermarkten. In der Vergangenheit hat die Plattform ihre Nutzer mit neuen Funktionen überrascht, hinterher aber teils Zugeständnisse machen müssen, um es den Mitgliedern zu ermöglichen, sich aus den neuen Angeboten auszuklinken.
Inzwischen lässt sich beinahe jede Einstellung ändern, die die Privatsphäre der Nutzer betrifft. 2009 waren es allerdings Beschwerden von Datenschützern über Facebooks mangelhafte Informationspolitik, die zur Untersuchung der FTC führten. Damals hatte das soziale Netzwerk kommentarlos verschiedene Einstellungen zur Privatsphäre geändert. So war etwa die eigene Freundesliste plötzlich für alle Welt sichtbar. Zwar konnte man diese Funktion – ebenso wie viele andere – ausstellen; Voraussetzung war jedoch, dass man die Änderungen überhaupt bemerkt hatte. Nach etlichen Aufregern bemüht sich Facebook inzwischen, seinen Nutzern zumindest größere Änderungen direkt nach der Anmeldung mitzuteilen – und zu erklären, wie man die entsprechenden Funktionen ausschaltet.
Die Vereinbarung mit der FTC würde Facebook dazu verpflichten, seine Datenschutzstandards offenzulegen. Deren Einhaltung würde alle zwei Jahre von einer spezialisierten Anwaltskanzlei oder Prüfgesellschaft kontrolliert – über 20 Jahre hinweg. Ähnliche Pflichten bekam auch Google  im März auferlegt, ebenso Microsoft  im Jahr 2002.
(Quelle: Financial Times Deutschland)