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Facebook II – Die Datenkrake

Veröffentlicht: 15. November 2011 in DIES, DAS & JENES
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Gibt der Datenkrake endlich auf? Es klingt zumindest erst einmal so: Facebook hat sich mit der amerikanischen Wettbewerbsbehörde FTC auf eine Reihe von neuen Datenschutzregeln geeinigt.

Künftig sollen die rund 800 Millionen Nutzer stärker gefragt werden, wenn ihre Daten anderen zugänglich gemacht werden. Die Zeiten, in denen der Datenausbeuter mit den Fotos, Kommentaren und sensiblen Informationen sorglos umgeht, wären vorbei.
 Allein, das ist zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich hat sich an der Einstellung Facebooks zur Privatsphäre seiner Kunden nichts geändert: Wenn sie schon die soziale Plattform kostenlos nutzen wollen, dann sollen sie sich auch nicht über die Verwertung ihrer Daten beschweren. Daran ändert auch die Einigung mit der FTC nichts. Der Konzern willigt ja nicht etwa deshalb ein, weil er auf seine Kritiker reagiert. Sondern vielmehr, weil er sich für den Börsengang im nächsten Jahr rüsten dürfte.
Es stimmt natürlich: Zunächst ist jeder selbst dafür verantwortlich, wie viel Daten er in dem globalen Netzwerk hinterlegt. Dabei nun auf einen Gesinnungswandel von Facebook zu vertrauen wäre angesichts der zahlreichen Skandale und Beschwerden der letzten Jahre ausgesprochen naiv und grob fahrlässig.
Nur die Nutzer in die Pflicht zu nehmen ist aber zu wenig. Zur Konkurrenz zu wechseln ist auch einfacher gesagt als getan – das Netzwerk ist der Marktführer. Da brauchen die Kunden die Politik an ihrer Seite. Die versuchte, das Datenschutzproblem im Dialog zu lösen, zuletzt bei einer Anhörung im Bundestag. Doch das bewirkt offensichtlich nichts. Facebook fühlt sich als US-Unternehmen nicht den Regeln in Deutschland verpflichtet.
Mit gutem Zureden und Appellen aber kommt man bei Facebook nicht weiter. Datenschützer wie Gesetzgeber sollten mit ihren Drohungen Ernst machen und zu schärferen Waffen greifen.
(Quelle: Financíal Times Deutschland)

Facebook I – Neues zum Datenschutz

Veröffentlicht: 15. November 2011 in DIES, DAS & JENES
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Seit zwei Jahren untersucht die US-amerikanische Wettbewerbsbehörde Facebooks Umgang mit Nutzerdaten. Nun ist eine Einigung in Sicht: Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat das Unternehmen der Behörde einen Kompromiss angeboten. Demnach müsste Facebook seine mittlerweile 800 Millionen Nutzer künftig bei „entscheidenden nachträglichen Änderungen“, die deren Privatsphäre betreffen, vorab um Einwilligung bitten.
Trotzdem schränkt das Abkommen Facebooks Optionen für künftige Angebote ein. Das Unternehmen lebt davon, möglichst viele Daten seiner Nutzer zu sammeln, um auf deren Basis personalisierte Werbung zu vermarkten. In der Vergangenheit hat die Plattform ihre Nutzer mit neuen Funktionen überrascht, hinterher aber teils Zugeständnisse machen müssen, um es den Mitgliedern zu ermöglichen, sich aus den neuen Angeboten auszuklinken.
Inzwischen lässt sich beinahe jede Einstellung ändern, die die Privatsphäre der Nutzer betrifft. 2009 waren es allerdings Beschwerden von Datenschützern über Facebooks mangelhafte Informationspolitik, die zur Untersuchung der FTC führten. Damals hatte das soziale Netzwerk kommentarlos verschiedene Einstellungen zur Privatsphäre geändert. So war etwa die eigene Freundesliste plötzlich für alle Welt sichtbar. Zwar konnte man diese Funktion – ebenso wie viele andere – ausstellen; Voraussetzung war jedoch, dass man die Änderungen überhaupt bemerkt hatte. Nach etlichen Aufregern bemüht sich Facebook inzwischen, seinen Nutzern zumindest größere Änderungen direkt nach der Anmeldung mitzuteilen – und zu erklären, wie man die entsprechenden Funktionen ausschaltet.
Die Vereinbarung mit der FTC würde Facebook dazu verpflichten, seine Datenschutzstandards offenzulegen. Deren Einhaltung würde alle zwei Jahre von einer spezialisierten Anwaltskanzlei oder Prüfgesellschaft kontrolliert – über 20 Jahre hinweg. Ähnliche Pflichten bekam auch Google  im März auferlegt, ebenso Microsoft  im Jahr 2002.
(Quelle: Financial Times Deutschland)