Archiv für Dezember, 2011

Paralympics 2006 – Video Teil 2

Veröffentlicht: 28. Dezember 2011 in Sledgeeishockey, SPORTwelt
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Es war  eine unglaubliche Leistung….und Party!

Schaut euch diesen Sport mal an.

>> Video <<

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Ein unglaubliches Tor!

Veröffentlicht: 28. Dezember 2011 in Sledgeeishockey, SPORTwelt
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Danke Udo

 

>> „Der Propeller“ <<

Udo Segreff, Hannover, Nationalspieler Deutschland, Rekordtorjäger

Teresa Enke trauert um ihren Bruder Florian, der mit nur 43 Jahren kurz vor Weihnachten starb.

Auf der Internet-Homepage gab der fränkische Sportklub ihres Bruders gestern der Öffentlichkeit bekannt: „Die Modernen Fünfkämpfer der Sportgemeinschaft Bomhard-Schule Uffenheim trauern um Dr. Florian Reim. Er fiel nach Lungenembolie und mehreren Herzstillständen ins Koma und verstarb am 21.12.2011 in Bayreuth.“

Brotfabrik schlägt Hitler´s Wehrmacht

Veröffentlicht: 28. Dezember 2011 in DIES, DAS & JENES

Der Mythos vom Kiewer Todesspiel

von Stefan Giannakoulis (Quelle: www.n-tv.de)

Kiew im Sommer 1942. Die deutschen Besatzer versuchen, ihrem Vernichtungsfeldzug den Anschein von Normalität zu geben, und organisieren Fußballspiele. Höhepunkt ist die Begegnung zwischen einer Flakelf der Wehrmacht und dem Betriebsteams der Brotfabrik – in der fast nur Akteure der Meistermannschaft von Dynamo Kiew stehen. Die Ukrainer siegen – und die Partie geht als das Todesspiel in die Geschichte ein.

Historischer Ort: Eingang des Start-Stadions in Kiew, das seit 1981 so heißt.

Historischer Ort: Eingang des Start-Stadions in Kiew, das seit 1981 so heißt.

Vier gelbe Rosen liegen vor dem Denkmal, nicht mehr ganz frisch, eingewickelt in Zellophan. Neben dem Eingang zum Stadion stehen zwei Männer in dicken Jacken und trinken Bier am Kiosk. Um das, was früher mal ein Rasen war, drehen Läufer ihre Runden, Mütter schieben Kinderwagen, im Hintergrund die grauen Hochhäuser der Vorstadt Lukjaniwska. Es dämmert, Novembernachmittag in Kiew.

Am Abend wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen die aus der Ukraine spielen, eine Freundschaftspartie. 70.000 Zuschauer im frisch renovierten Olympiastadion werden sich über ein 3:3 und auf die Europameisterschaft im nächsten Sommer freuen. Vor 69 Jahren, am 9. August 1942, haben schon einmal deutsche Fußballer in Kiew gespielt. Sie kamen nicht als Freunde. Und spielten nicht im Olympiastadion, das da noch Rotes Stadion hieß, sondern hier im Stadion an der Marschalla-Ribalko-Straße, auf der ehemaligen Sportanlage Zenith.

Ein Mythos in der Ukraine

Die Partie zwischen einer Flakelf deutscher Wehrmachtssoldaten und der Betriebsmannschaft der Kiewer Brotfabrik Nr. 3, die als FC Start antrat, ist als Todesspiel in die Geschichte eingegangen. Sie ist ein Mythos in der Ukraine. „Wir haben euch damals geschlagen. Dafür habt ihr unsere Jungs umgebracht“, sagt der Verkäufer am Kiosk. Es ist nicht falsch, was er sagt, aber es hat sich auch nicht genauo so zugetragen. So, wie es die sowjetische Propaganda über Generationen verbreitet hat. Dass nämlich die Nazis direkt nach dem Spiel fast alle ukrainischen Spieler erschossen, als Rache für die Demütigung, noch in ihren roten Trikots – weil die es gewagt hatten, mit 5:3 zu gewinnen. Und dass schon in der Halbzeit ein SS-Mann den FC Start unmissverständlich davor gewarnt habe, als Sieger vom Platz zu gehen.

Ankündigungsplakat für das Revanchespiel: Die Namen der deutschen Spieler sind nicht vermerkt. Ankündigungsplakat für das Revanchespiel: Die Namen der deutschen Spieler sind nicht vermerkt.

Was die Besatzer, für die ebenfalls keine Amateure antraten, nicht wussten: In der Betriebsmannschaft standen keine Bäcker, sondern neun Spieler des sowjetischen Meisters Dynamo Kiew. Hinzu kamen drei Akteure des Lokalrivalen Lokomotive. Josef Kordik, Direktor der Fabrik und Dynamofan, hatte die Spieler unter seine Fittiche genommen und ihnen einen Job gegeben. Sie arbeiteten und wohnten in der Brotfabrik, nach dem Ende ihrer zwölfstündigen Schicht kickten sie auf dem Hof. Was die Qualität des Fußballs betrifft, ist das so, als würden heutzutage die Stars des FC Barcelona inkognito antreten. Deutsche Klubs hatten seit Adolf Hitlers Machtübernahme 1933 nicht mehr gegen sowjetische Mannschaften gespielt. Selbst die Stars von Dynamo Kiew waren den Wehrmachtssoldaten unbekannt.

Zynisch anmutende Absurdität

Mittlerweile gilt die Version als gesichert, die den Mythos vom Todesspiel widerlegt. Sie ist schlimm genug. Nach dem Stand der Forschung wurde ein Spieler eine Woche nach dem Spiel verhaftet und ermordet, weil er für den Geheimdienst gearbeitet haben soll. Drei Wochen später erschossen die Besatzer als Vergeltung für einen Partisanenangriff drei Fußballer im Arbeitslager Siretz. Ein direkter Zusammenhang mit dem Spiel, so das Fazit, sei nicht zu erkennen. Sechs weitere Spieler überlebten das Todeslager.

Das sagt auch Claus Bredenbrock. Der deutsche Dokumentarfilmer hat mit Zeitzeugen gesprochen, hat 2005 einen Film gedreht. Und er hat die Geschichte des Spiels aufgeschrieben, als Beitrag im vor drei Jahren erschienenen Buch „Hakenkreuz und rundes Leder – Fußball im Nationalsozialismus“, herausgegeben von Dietrich Schulze-Marmeling. Der Ukrainer Wolodimir Pristajko stützt in seinem Buch „Gab es ein Todesspiel? Dokumente zeugen“ diese Lesart, ebenso der schottische Journalist Andy Dougan in „Dynamo: Defending the Honour of Kiev“. Unstrittig bleibt die zynische Absurdität, dass im Kiew des Jahres 1942 im Zweiten Weltkrieg Besatzer und Besetzte gegeneinander Fußball gespielt haben.

Gut ein Jahr zuvor, am 19. September 1941, waren die Wehrmachts-Truppen der Heeresgruppe Süd auf ihrem Vernichtungsfeldzug in der Hauptstadt der Sowjetrepublik Ukraine einmarschiert. Kurz darauf ermordete ein Sonderkommando der SS beim Massaker von Babij Jar in einer Schlucht am Rande der Stadt in zwei Tagen mehr als 33.000 Juden. Und dann, im Sommer 1942, organisierten die Besatzer eine kleine Fußballliga in Kiew – um, wie es hieß, zur Normalisierung der Lage beizutragen.

„Das waren echte Helden“

„Neben dem Team der Brotfabrik Nr. 3, dem FC Start, sollten fünf Mannschaften gegeneinander antreten, nämlich das ukrainisch-nationalistische Team Rukh und vier weitere Mannschaften aus den Garnisonen und Dienststellen der deutschen Truppen und ihrer Verbündeten“, schreibt Bredenbrock. Den Höhepunkt bildeten zwei Spiele zwischen dem FC Start und der Flakelf im Zenith-Stadion. Die erste Begegnung am 6. August 1942 gewann das Backfabrikteam vor mehr als 10.000 Zuschauern mit 5:1. Das hatten die Deutschen so nicht geplant – und setzten nur drei Tage später eine neue Partie an. Wieder war das Stadion voll, wieder gewann der FC Start, dieses Mal nach einem 0:2-Rückstand mit 5:3.

Symbol des Widerstands: Denkmal im Kiewer Start-Stadion. Symbol des Widerstands: Denkmal im Kiewer Start-Stadion.

Bredenbrock zitiert Vladlen Putistin, den Sohn des Mittelfeldspielers Mikhail Putistin. Er stand als Balljunge hinter dem Tor und berichtet: „Die Zuschauer nahmen damals die Spiele besonders ernst. Sie waren bei allen Begegnungen wie elektrisiert, besonders aber bei der Revanchepartie gegen die deutschen Soldaten am 9. August 1942. Auf der Tribüne wurde ‚Schlagt die Deutschen‘ gerufen.“ Damit meinten die Menschen nicht nur das Fußballspiel.

„Die Erinnerung an die Spiele des Sommers 1942 gehört bis heute zu den großen Legenden der Stadt Kiew und der untergegangenen Sowjetunion, vergleichbar dem Sieg der deutschen Weltmeistermannschaft 1954“, zieht Bredenbrock sporthistorische Parallelen. Der Mann vom Kiosk sagt mit seinem Bier in der Hand: „Das waren echte Helden.“ Seine Hand weist zum Denkmal vor dem Stadion. Seit 1971 zeigt es einen Mann, der nackt und unbewaffnet einen Adler bezwingt.

Ein fantastischer Bericht (englisch) über den Klassiker „Old Fashioned“.

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96. Artikel / 96,96€ am Spieltag von 96 – FC Sevilla

Veröffentlicht: 15. Dezember 2011 in Hannover 96
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Das war ein gutes Omen!

beim bezahlen dachte ich zuerst die Verkäuferin will mich veräppeln, da ich natürlich im 96-Trikot einkaufen war. Es war allerdings kein Scherz sondern ein gutes Omen! Am Abend siegte 96 gegen den haushohen Favoriten 2:1

Im übrigen ist dieses, und da hatte ich vorher nicht drauf geachtet, mein 96. Artikel im Blog!

Und heute spielt 96 im letzten Gruppenspiel gegen Poltawa….hier hört die Zwischenrunde auf, gegen Sevilla fing alles an!

Mit Hannover 96 auf Europatour

Veröffentlicht: 15. Dezember 2011 in Hannover 96
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Ein Rückblick vor dem letzten Gruppenspiel.

Quelle: www.haz.de, Volker Wiedersheim, Christian Purbs, Heiko Rehberg
Mit dem Spiel gegen Poltawa legt Hannover 96 auf der Europatour eine Pause ein. Zeit für einen kurzen Rückblick: Reiseberichte aus Sevilla, Poltawa, Lüttich und Kopenhagen.

Die Herzen haben noch nicht genug

Sevilla: Das ist schon mal eine Hausnummer, wie man so sagt. Im Fußball wenigstens. Ein Fixstern allemal, wenn man ihn vom kleinen Fußballplaneten Hannover aus betrachtet.

Flughafentechnisch ist Sevilla allerdings Provinz. Kein Vergleich mit Hannover-Langenhagen. Klein, eng, übersichtlich. Wer da zur gleichen Zeit abfliegt, dem läuft man auch über den Weg. Es ist nach Mitternacht, der frühe Morgen des
26. August 2011, als die 96er dort eintreffen, um im Flugzeug die Heimreise anzutreten. Zeitgleich mit einem Großteil der Fans, die die „Roten“ zur ersten Europareise nach 19 Jahren begleitet haben. Es ist ein denkwürdiges Aufein­andertreffen.

Die 96er haben 1:1 gespielt. Aber die Hannoveraner haben das Stadion Ramón Sánchez Pizjuán dennoch als Sieger verlassen. Die Kicker, weil sie das Hinspiel schon 2:1 gewonnen hatten und dadurch den großen Fußball-Fixstern FC Sevilla von seinem Platz am Himmel verschoben haben. Und die „roten“ Fans, weil gut 3200 von ihnen rund 39 000 Spanier in Grund und Boden gesungen und gebrüllt haben. „Wenn die Stimme versagt, sing mit dem Herzen“, hatte die örtliche Zeitung „Diario de Sevilla“ am Spieltag gefordert – die Hannoveraner haben den Auftrag erfüllt.

Und jetzt treffen sie also am Flughafen an der Abfertigung wieder alle aufeinander. Die Spieler wie müde Helden. Die Fans vor allem heiser. Die Stimmen versagen fast, aber die Herzen haben noch nicht genug. Sie bilden eine Gasse beim Durchgang von der Passkontrolle in den Wartebereich. Und sie singen: Schon für das Vorauskommando, zu dem wie immer Zeugwart und Kofferträger Michael „Mille“ Gorgas und die Physiotherapeuten zählen. „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ schallt es durch den Flughafenhalle. Dann der Torschütze Mohammed Abdellaoue, der noch mehr als sonst wie ein scheues Reh dreinblickt, und Jan Schlaudraff. Der Gesang wird lauter. Dann kommt Didier Ya Konan. Nur eingewechselt in den Schlusssekunden zum Zeitschinden, und sie singen „Schalalala, Didi Ya Konan, Ya Konan …“

Klubchef Martin Kind kann nicht aus seiner Haut. Die Klimaanlage im Wartebereich vor der Gangway ist ausgefallen. Es ist unerträglich heiß. Kind stehen Schweißperlen auf der Stirn, doch er redet kühl wie eh und je von Aufbauarbeit, Fundament, nächster Entwicklungsstufe: „Der nächste Schritt wird wieder vier, fünf Jahre brauchen.“

Sportdirektor Jörg Schmadtke und Stadionchef Thorsten Meier verlassen die Szene, sie fliegen als Erste ab. Zur Auslosung der Gruppengegner am Mittag direkt nach Monaco. Gut möglich, dass sie als letztes Lied vor dem Einsteigen noch hören, wie die 96-Fans ihren Sommerhit anstimmen: „Erste Runde Bukarest, zweite Runde Rom, in Kopenhagen schellt das Telefon …“

Zwölf Stunden später, Gruppenauslosung in Monaco: Worskla Poltawa, Standard Lüttich und – in Kopenhagen schellt das Telefon.

Gib Gas, Sergyi!

Heureka, selbst im Fernen Osten Fußball-Europas gibt es Cappuccino. Am Flughafen von Kiew, Durchgangsstation auf dem Weg zum ersten 96-Auswärtsspiel der Gruppenphase in Poltawa. Das Getränk ist grauenhaft, der Preis auch. 640 Griwna, das sind sechs Euro. Geschenkt. Es könnte der letzte für einige Zeit sein. Wer weiß schon, was einen am Ende einer Autofahrt über weitere 400 Kilometer in Richtung Osten erwartet.

Sergyi ist der Fahrer für eine Minigruppe von fünf Journalisten: drei Reporter, ein Radiomann, ein Fotograf. Wir haben fünf Stunden Zeit, um das Abschlusstraining und die Pressekonferenz pünktlich zu erreichen. Aber wir haben auch Horrorgeschichten über ukrainische Autobahnen gehört. Sergyi sagt: „Schaffen wir in vier Stunden.“ Besser anschnallen.

Sergyi hört gern Disko und überholt, während er konzentriert Sender sucht. Das ist mutig, da zu bedenken ist, dass diese Autobahn nur eine Fahrbahn je Richtung hat, keine Mittelleitplanke, und zum Überholen der Gegenverkehr zum Ausweichen auf den Standstreifen gezwungen wird.

Sergyi erreicht die Stadtgrenze Poltawas nach dreieinhalb Stunden. Aber er findet das Worskla-Stadion erst nach einigen Ehrenrunden um den Park zum Angedenken an die historische Schlacht von Poltawa, 1709 – wenn man so will, ein Heimsieg von 40.000 Russen und Ukrainern gegen 20.000 Schweden. Zum Glück kommt 96 mit Norwegern statt Schweden. Mohammed Abdellaoue schießt ein ganz wichtiges Tor, Christian Pander ein weiteres. 2:1, erster 96-Auswärtssieg in Europa seit einer gefühlten Ewigkeit.

Sergyi fährt uns in eine Bar für einen Abschiedsdrink. Er erzählt, dass er vor wenigen Tagen Britney Spears durch Kiew kutschiert hat. Wow! Auf der Rückfahrt platzt bei Tempo 120 ein Hinterreifen. Sergyi zwingt den schlingernden Bulli auf den Seitenstreifen. Wir haben Herzrasen. Britney wäre wohl sieben Tode gestorben und hätte ein Lied drüber geschrieben. „Ups, he saved me again“ oder so was in der Richtung.

Hinter Gittern

Und plötzlich ist die Gittertür zu, ein Schloss baumelt wie zum Hohn lustig im Wind hin und her. Es gibt keinen Ausweg, die HAZ ist ein- und ausgeschlossen. Wo? In Lüttich, wo sonst.

Eine gute halbe Stunde ist noch Zeit vor der Pressekonferenz im Stadion „Sclessin“ am Abend vor dem Spiel der „Roten“ bei Standard Lüttich. „Presse“ steht auf einem Schild über einem Eingang, das kann so falsch nicht sein. Treppen hoch, doch die Türen sind zu; weiter geht’s, schließlich landen wir ganz oben auf der Pressetribüne. Unten auf dem Rasen absolviert die Mannschaft von Standard Lüttich ihr Geheimtraining. Wir schauen interessiert zu. Überrascht, dass keiner meckert, beeindruckt von dem kleinen Spieler mit der tollen Schusstechnik.

Eine Viertelstunde später machen wir uns mit dem Vorsatz, 96-Trainer Mirko Slomka gleich mal zu fragen, ob er Mohammed Tchité auch wirklich auf dem Zettel hat, auf den Rückweg. Der endet vor den Gitterstäben, auch die anderen Ausgänge sind abgeschlossen. Zum Glück können wir einige Kollegen auf unsere missliche Situation aufmerksam machen, sodass uns zwar nicht ihr Spott, dafür aber ein längerer Aufenthalt in den dunklen Stadiongängen erspart bleibt. Und zur Pressekonferenz schaffen wir es auch noch (fast) pünktlich.

Beim Spiel am nächsten Abend ist die Spannung schneller verflogen, zu chancenlos ist 96 gegen die Belgier. Aber mit Schützenhilfe schaffen es die „Roten“ ja trotzdem in die K.-o.-Runde: danke, Poltawa. Ein Bild bleibt dennoch in Erinnerung: die leeren Plätze in diesem tollen Fußballstadion. Musste das wirklich sein, war es richtig, dass die Belgier Lüttich aus Angst vor Krawalle für 96-Fans zur verbotenen Stadt erklärt haben? Die engen Gassen der Altstadt mit ihren vielen gemütlichen Kneipen und der schöne Weihnachtsmarkt wären einen Besuch wert gewesen. Und dann noch ein Bild: Abpfiff, kurz vor Mitternacht: Wasserwerfer und Polizisten in schwerer Schutzausrüstung, Randale auf dem Busparkplatz. Wo sind Gitter und Schloss für diese Chaoten?

Plauderstunde in der Altstadt

Kopenhagener Altstadt, es ist kalt, es ist windig, und zwei Reporter aus Hannover sind auf der Suche nach Hannoveranern. Es ist der Tag vor dem Spiel beim FC Kopenhagen. 10.000 Fans von 96 sollen es in der Stadt werden, die Redaktion in der Heimat erwartet eine Fangeschichte, aber es sind keine Fans in Sicht.

Die Zeit läuft, noch zwei Stunden bis zur Pressekonferenz im Stadion. Da wir aber nicht wissen, wo das Stadion in der unbekannten Stadt liegt, werden wir langsam unruhig. „Na toll. 10.000 Fans, und ihr habt keinen aufgetrieben.“ Wir ahnen bereits den Spott der Kollegen, als wir deutsche Stimmen hören. Während wir noch zögern, ist unser Freund Thomas, der uns begleitet, bereits auf dem Weg durch die Altstadtgasse und vermeldet: 96-Fans gesichtet und dingfest gemacht. Jetzt gibt es kein Entkommen mehr.

Nun will nicht jeder Fan aus Hannover unbedingt in die Zeitung. Der eine hat sich auf der Arbeit krankgemeldet – wann kommt 96 schon mal wieder nach Europa? Der andere hat seiner Frau gesagt, dass er beruflich unterwegs ist. Doch diese Gruppe mit sechs Männern aus Hannover hat sich von den Frauen extra eine Reisegenehmigung geholt und ist in Plauderlaune. Die sechs waren auch schon in Sevilla dabei, sie alle wollen noch nach Bukarest, wo am 9. Mai das Europa-League-Finale stattfindet. Jetzt aber sind sie erst einmal in Kopenhagen.

Nach Fachsimpeleien über Dänen, Hannoveraner und Europa kommt der entscheidende Moment. „Dürften wir eure Namen notieren?“, frage ich. Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand aufgeschlossen erzählt, aber seinen Namen nicht verraten und nicht in der Zeitung lesen will. Ohne Namen aber können wir die Geschichte vergessen. Und bis zur Pressekonferenz sind es nur noch anderthalb Stunden.

Doch Gerd Morawe und seine Freunde buchstabieren uns geduldig ihre Namen, noch schnell ein Bild, die Story ist gerettet. Einen Tag später, ein paar Stunden vor dem Anstoß, treffen wir die sechs wieder. Es ist immer spannend, Leuten zu begegnen, über die man geschrieben hat. Sind sie zufrieden? Haben wir etwas falsch zitiert? Hat doch einer nicht mit seiner Frau gesprochen? Doch alles ist gut. „Meine Frau hat schon morgens um 7 Uhr drei Anrufe bekommen, dass wir in der Zeitung stehen“, berichtet einer stolz. Ein kleiner Schreibfehler bei einem Namen wird uns verziehen. So macht Europa Spaß.

Viele 96-Fans fahren noch nachts nach dem 2:1-Sieg nach Hause. Ein Fan hat ein Andenken aus Hannover zurückgelassen. Als Kopenhagen am Tag nach dem Spiel erwacht, trägt die kleine Meerjungfrau am Rande des Hafens am Langeliniekai ein weißes 96-Trikot.