Matten Matten Mähren? Martinssingen?

Veröffentlicht: 12. November 2012 in Geschichte & Info´s zur Stadt, HANNOVER, Stadt an der Leine, Hannover, und drum herum ist NIEDERSACHSEN
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Ist Matten Matten Mähren nun am Martinstag oder bereits zuvor? Viele wissen es selbst nicht genau, wenn die Kinder in der Dämmerung um die Häuser ziehen und Süßigkeiten sammeln und dabei singen.

Martinisingen ist ein alter protestantischer Brauch, der in Ostfriesland gepflegt wird, aber auch vielen anderen norddeutschen Regionen, und ist auch unter dem plattdeutschen Namen Sünnematten, Mattenherrn oder Matten Matten Mähren (in Hannover und Südniedersachsen) bekannt. Bei ihm wird am 10. November (ähnlich dem katholischen Martinssingen am 11. November) mit Laternen von Haus zu Haus gezogen und gesungen.

Dazu der geschichtliche Hintergrund:

In diesem Brauch mischen sich mehrere Ursprungselemente. Traditionell war der 10. November der Tag, an dem Landarbeiter und Dienstpersonal über Winter entlassen wurden. Für diese weitgehend besitzlosen Bevölkerungsschichten galt es nun, die kalte Jahreszeit ohne eigenes Einkommen zu überstehen. Einen Beitrag dazu leisteten dann die Kinder, die an diesem Tag von Haus zu Haus zogen und insbesondere bei wohlhabenden Bauern und Bürgern um Gaben bettelten. Ursprünglich sammelten sie dabei Lebensmittel ein, die tatsächlich für den Wintervorrat mit eingelagert und nach und nach verzehrt werden konnten. Manchmal pflegten insbesondere die etwas älteren Sänger sich auch zu verkleiden oder Gesichtsmasken (sğabellenskoppen) aufzusetzen.

Später wandelten sich die Gaben mehr und mehr zu symbolischen Spenden, und heute gibt es überwiegend Süßigkeiten und Obst. Zu den traditionellen Gaben dagegen gehören Stutenkerl, Moppen (moppen) und Pfeffernüsse (pēpernööten) sowie Äpfel.

Das Betteln um Gaben erfolgte in gereimten Sprüchen oder dem Vortrag entsprechender Lieder, wobei die Kinder Laternen (kipkapköögels) mit sich führten, die früher aus einer Runkelrübe geschnitzt wurden. Später benutzte man wohl auch gelegentlich kleine Kürbisse dazu, und es setzten sich nach und nach farbige Papierlaternen durch, wie sie noch heute gebräuchlich sind. Auch verschiedene selbst gefertigte Geräuschinstrumente (Rasseln, Rummelpott) kamen zum Einsatz.

Es mischte sich inhaltlich das ursprüngliche Motiv des Bettelns mit Ausbreitung der Reformation mit religiösen Motiven und der Verehrung des Reformators Martin Luther. Anlässlich der 300-Jahrfeier der Reformation von 1517 wurde 1817 das Martinisingen auf den Vorabend des Martinstages vorgezogen. Von da an wurde nur noch Martin Luther, der „Lichtfreund und der Glaubensmann“ gefeiert, „de de Papst in Rom de Kroon offschlog“. So wurde denn auch der Gedenktag des heiligen Martin von Tours, der Martinstag, am elften zusammen mit dem Martinisingen auf den 10. November, den Geburtstag des Reformators, vorverlegt.Zunehmend wurde als Anlass des Martinisingens die Feier des Geburtstages Luthers herausgestellt und das Bettelmotiv mit Gebräuchen der Mönchsorden erklärt. Die vorgetragenen Lieder bekamen eine religiöse Färbung, oder es wurden neue geschaffen, die allein der religiösen Bedeutung des Tages Rechnung trugen bzw. sich auf die Verehrung Martin Luthers bezogen. Daher ist auch die Verbreitung des Martinisingens in Gegenden mit überwiegend evangelisch-lutherischer Bevölkerung zu verstehen.

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Kommentare
  1. Bernd Jahn sagt:

    wenn wir als Kinder beim Martinssingen am 10. November von jemandem einmal nichts bekamen, sangen wir so einen Spottvers. Kenne aber den Text nicht mehr. Wenn ihn jemand noch kennt, dann maile er ihn bitte. Danke

  2. Bernd Jahn sagt:

    Danke, aber das war nicht der Text. Ich meine, der Text bestand wohl aus 4 Zeilen.

  3. Marita Büder-Weissig sagt:

    ich kenn den text noch:
    Mattn, Mattn, Meern
    die Äppel und die Beern,
    Nüte mok ik geern
    lat mek staan, lat mek staan,
    lat mek nich so lange staan,
    ik mutt noch hen nach breem
    breem is ne rieke statt,
    da giv mek alle lüe wat,
    smiet n korb voll appelen dahl!

    und wenn einer geizig war und nix gegeben hat, dann:
    witten tweern, swachen tweern, ole hexe givt nich geern

  4. Bernd Jahn sagt:

    Danke, Marita, das war der Text, der mir entfallen war.
    Matten Matten Mähren ist protestantischen Ursprungs, und wurde daher von uns Kindern Ende der 40er bis in die 50er Jahre immer am 10. November gesungen – war ja der Geburtstag von Martin Luther. Am 11.11. ging bei uns in den östlichen Stadtteilen von Hannover niemand singen. Erst später kam dann der 11.11. hinzu – heiliger Martin – und dann verschob sich das leider mehr und mehr auf den 11.11.. Wenn zu uns Kinder am 11.11. zum Singen kommen, sagen wir ihnen immer, sie hätten gestern kommen sollen und verweisen auf Martin Luther.

  5. michelle sagt:

    ich kenne matten matten märren nicht also ist es schwer morgen es mit meinem bruder morgen zu machen XD;

  6. Bärbel sagt:

    So haben wir das gesungen
    in Bemerode

    Matten Matten Meeren,
    die Äpfel und die Beeren.
    Lasst uns nicht so lange steh’n,
    wir wollen noch nach Bremen geh’n –
    Bremen ist ’ne große Stadt
    da geben alle Leute was.
    Matten Matten Matten die Alte hat ein Schatten

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